Philippinen Reisen - Reisebericht - Tageswanderung
zur Goldgräberstadt und durch eine wilde Schlucht
Wir haben ein Haus in der Capistrano Subdivision im Ortsteil Gusa
von Cagayan de Oro City gemietet. Die Subdivision hat den
Hauptzugang von der National Highway. Es gibt aber auch noch einen
weiteren Zugang auf der gegenüberliegenden Seite, an der
alternativen Strasse zum Cogon Markt, der J. R. Borja Street Ext.,
gegenüber der Sacred Heart of Jesus Montessori High School. Wer
mal in Cagayan de Oro ist und diesen Weg wandern möchte, kann mit
dem Multicab Jeepney vom Cogon Markt (nach Terminal für Jeepneys
nach Galaxy fragen) bis zu dieser Schule fahren. Von hier führt
eine Strasse am Tor der Schule vorbei und einem Sicherheitsposten
und durch ein Tor zu einer Subdivision die zwar Strassen hat, aber
keine Häuser.
Die Strasse führt teilweise steil bergan und wenn man sich öfters
mal umdreht, tut sich ein gradioser Blick auf die Stadt, den Hafen
und in der Ferne, auf die Insel Camiguin, auf. Wir sind diesen Weg
mit unserem Schäferhund Rüden Rex gegangen. Er war uns ein
treuer Begleiter auf dieser Wanderung. Nach einer Weile kommt man
an das Ende dieser Subdivision und auf die öffentliche Strasse
von Indahag nach Gusa. Zu dem Zeitpunkt wurde diese Strasse
betoniert. Kurze Zeit später sieht man auf der rechten Seite
einige blau gestrichene, aber meiste Zeit unbewohnte Gebäude.
Hier werden manchmal Polizisten ausgebildet.
Wir gehen die Strasse weiter und sind nun ziemlich dicht an der
oberen Kante der Schlucht die vom Gusa Fluss durchflossen wird.
Die Strasse führt durch Felder und links ist eine Farm für
Kampfhähne zu sehen. Vereinzelt sieht man Protestplakate die auf
einen Landkonflikt hindeuten. Dann kommt eine Siedlung wo wir eine
kleine Pause einlegen um etwas Kaltes zu trinken und ein paar
Kekse an einem Sari-sari Store zu essen. Die freundlichen Besitzer
stellen einem gerne Stühle zum Sitzen nach draussen. An einer öffentlichen
Wasserstelle bekommt unser Rex seinen Trinknapf mit frischem
Wasser gefüllt. Die einheimischen Hunde und auch die Bewohner
zeigen den Respekt der unserm Rex gebührt hehe. Der kleine
Dorfplatz hängt voll mit zerfezten Protestbannern.
Hier will die Ayala Gruppe eine riesige Subdivision mit Mall in
der Grössenordnung von 350 Hektar errichten. Es gibt schon so
viele Subdivision in der Nähe zum Flughafen und auch in anderen
Stadteilen. Dort sind zum Teil nicht mal 10 % der Grundstücke
verkauft. Ich persönlich kann mir auch nicht vorstellen wo alle
die Leute mit dem Geld für diese Grundstücke herkommen sollen.
Meiner Meinung nach ein grosses Wunschdenken oder die Planung geht
bereits ins nächste Jahrhundert. Die ersten Grundstücke werden
gerade verkauft für Ayala's Alegria Hills.
Die Strasse führt weiter am Rande der Schlucht entlang und nach
einer Weile sieht man links eine Kirche, die mit ihren angebauten
Schweineställen etwas eigenartig aussieht. Es ist die Kirche von
Indahag. Wir kommen auf die Strasse von Cagayan de Oro, die vom
Orteil Caman-an nach Libona führt; die ich schon in einem anderen
Bericht beschrieben habe. Wir folgen dieser Strasse nach links in
Richtung Libona und kommen an der Schule vorbei. In einer
Seitenstrasse stehen einige Mountain Biker die uns früher überholt
haben. Also gehen wir auch dorthin.Wir finden ein sehr, sehr
rustikales kleines "Restaurant" der Sorte Bretterbude.
Es gibt nur einen etwas grösseren Tisch für 8 Personen. Den
teilen die Biker mit uns. Im Hintergrund ist die 'dirty kitchen'
zu sehen, wo die Köchin immer wieder Töpfe auf das offene Feuer
stellt um Essen warm zu halten. Meine Frau bestellt etwas, nachdem
sie in jeden Topf geschaut hat. Für mich ist nichts dabei was
geniessbar wäre. Wenn ich mich nicht täusche, rümpft sogar Rex
die Nase. Also esse ich Bananen und trinke einen Kaffee. Nun
sollte man ja meinen Nescafe schmeckt nun mal nach Nescafe. Ja,
aber wenn der Kaffee mit Wasser aus einem offenen Topf über
offenem Feuer heiss gemacht, zubereitet wird, schmeckt der Kaffee
nach Feuer und Russ. Rex bekommt auch etwas, ist aber nicht
begeistert. Als er dann einen Rindsknochen zur Beschäftigung
bekommt, kommt ihm der Haushund wohl zu nahe. Rex nimmt den Tisch
mit als er los geht. Hat der Biker aber geschaut als sein Essen
einen Meter weiter weg war.
Nachdem wir uns von den Bikern und der Köchin mit dem Versprechen
nächsten Sonntag wieder zukommen, verabschiedet haben, machen wir
uns wieder auf den Weg. Es geht weiter auf der staubigen Strasse
nach Libona. Gleich hinter Indahag ist die Provinz- und
Stadtgrenze von Cagayan de Oro, Misamis Oriental und Bukidnon. Die
Strasse geht in einigen Windungen bergauf bis zu dem kleinen Ort
Kinawe der bereits zu Libona gehört.
Im
Video sieht man die unbefestigte Strasse die nach Kinawe führt. An
Sonntagen sind viele Mountainbiker Gruppen unterwegs.
.
Hier kann man schon unser nächstes
Ziel, den Goldgräberort Gango, sehen. An der Station wo die
Reifen wegen der Maul- und Klauenseuche desinfiziert werden,
fragen wir nochmals nach dem Weg. Aber dort sind alle schon am
Vormittag besoffen und besoffene Filipinos sind nun mal unerträglich.
Also gehen wir schnell weiter. Nach einer Weile kommen wir an
einen Abzweiger nach links von dem auch 'Habal-Habal'
(Motorrad-Taxi) nach Gango fahren. Der Weg führt nun durch
dichtes Buschwerk bergab. Kein Mensch und kein Haus mehr zu sehen.
Nach einigen Kilometern hören wir erst leise, dann immer lauter
mahlende Geräusche. Hier steht eine grössere Maschine die
Gestein zerkleinert. Wir gehen weiter und kommen zum Fluss, der
hier aber nicht mehr als ein grösserer Bach ist. Wir müssen eine
Weile dem schmalen Pfad folgen bevor wir eine Möglichkeit finden
um auf die andere Seite zu kommen. Für Rex kein Problem, der
springt einfach hinein und fühlt sich wohl. Meine Frau ist auch
ruck-zuck auf der anderen Seite. Ich traue den nassen Steinen
nicht und suche eine geeignetere Stelle. Wie immer an fliessendem
Wasser sind wieder Mädchen dabei Wäsche zu waschen. Wir fragen
nochmals welchen Weg wir von den vielen nehmen müssen. Wir müssen
an der anderen Seite wieder hoch. Das Grummeln und Poltern von
Maschinen die Steine zerkleinern nimmt deutlich zu. Wir kommen zu
den ersten Häusern, die wir von weitem in diesem Wald gesehen
hatten. Bei allen Häusern stehen eine oder mehrere sich drehende
durch Strom angetriebenen Eisentrommeln, die Gestein zerkleinern.
Um die Häuser herum sind überall Stellen wo das Gestein
gebrochen wird um die Maschinen zu füttern. Es sind
eigenartigerweise kaum Leute zu sehen. Wir kommen an eine etwas grössere
Strasse und finden einen Store wo wir Eiswasser und Kekse
bekommen. Rex bekommt wieder reichlich Wasser zu trinken. Auf der
gegenüberliegenden Seite ist das Gebäude der Coop der 'small
scale gold miners'.
Gango hat eine Landfläche von 59 Hektar. Es soll 21 Tunnel geben
wo das goldhaltige Gestein abgebaut wird. Am Store spricht man
aber nur von einem Tunnel. Das Golderzlager wird auf 1,026,000
Tonnen mit einem Gehalt von 15 Gramm pro Tonne Gestein geschätzt
und soll in den nächsten 56 Jahren abgebaut werden. Die grosse
Anlage soll am Tage bis zu 15 Tonnen Gestein verarbeiten können
mit einer Tagesproduktion von 7.3 ounces Gold. Ob hier die
Produktion der kleinen Goldschürfer miteingerechnet ist, weiss
ich nicht. Wir hatten leider nicht die Zeit für viele weitere
Fragen. Es sollen Aufkäufer von Cagayan de Oro herkommen und das
Gold aufkaufen. Wir haben keine Sicherheitsmassnahmen gesehen. Es
war schon alles eigenartig. Beim Weitergehen kommen wir auch an
dem erwähnten Tunnel vorbei. Ein halbrundes gemauertes Loch wo
Arbeiter ohne Schutzkleidung oder wenigstens Helme, ein und aus
gingen. Leider hatte ich auch keine Kamera mit. Wenn ich das nächste
Mal wieder in Phils. bin, werden wir an diesem Ort nochmal
vorbeischauen und alles genauer hinterfragen und Fotos machen.
Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit in den Stollen
hineinzukommen.
Wir gehen weiter bergan und verlassen den Ort. Wir wollen über
die Pelaez Rinderfarm den Ort Malasag erreichen. Von dort führt
eine Strasse zurück zur National Highway. Auf einer Anhöhe haben
wir einen weiten Rundblick über grasbewachsene Hügel und einige
Wege. Die Wege sind vom Regen teilweise so ausgewaschen, dass ich
glaube, dass nicht einmal ein 4 x 4 dort durch kommt. Überall
liegen grosse Felsbrocken herum. Den Weg, den wir gehen wollen,
ist durch eine Rinderherde blockiert. Wir trauen der Sache nicht
und wissen nicht wie die auf uns und den Hund reagieren. Von den
Cowboys ist weit und breit auch nichts zu sehen. Wir entscheiden
uns den anderen Weg zu nehmen. Es geht leicht bergab und in der
Ferne ist Gebüsch in sonst offenem Gelande zu sehen. Sieht so aus
als wenn sich dort ein Bach nach unten schlängelt. Als wir näher
kommen, hören wir Wasser rauschen. Zu unserer Überraschung sitzt
dort eine Familie mit Kindern und ist am Wäsche waschen und die
Kinder spielen im Wasser. Die waschen aber auch überall. Für
Meilen ist kein Haus zu sehen. Sie müssen alles hergeschleppt
haben und auch alles wieder zurück schleppen. Wir machen Pause.
Frau und Hund planschen im Wasser. Es ist wunderschön in der
Natur zu sein. Wir lassen uns nochmals den Weg beschreiben, aber
das ist mit Filipinos immer ein Problem. Wir haben unser letztes
Brot und hartgekochte Eier gegessen und auch Rex hat noch etwas
bekommen und richtig Wasser getrunken. Wir gehen den Weg weiter.
Alles fast zugewachsen mit mannshohem Cogon Gras. Man kann an
manchen Stellen den Verlauf des Weges verfolgen und wir sehen in
der Ferne eine Gruppe Leute in unsere Richtung kommen. Sie haben
uns auch gesehen und bleiben stehen. Wir gehen weiter. Nach etwa
zwanzig Minuten stossen wir auf die Gruppe Männer, die gefälltes
Holz schleppen. Sie sind nicht bewaffnet und machen einen
schuldbewussten Eindruck, grüssen aber freundlich und machen uns
Platz. Wohl mehr Respekt for dem Hund als vor der Langnase. Meine
Frau fragt woher und wohin, kann mit den Antworten aber nicht viel
anfangen. Wir gehen weiter und kommen an ein kleines Wäldchen, wo
sie das Holz geschlagen haben. Hier geht ein Weg weiter durch die
Hügel und ein Weg nach links ab in Richtung Fluss. Auf dem Weg
sind Reifenspuren eines Jeepneys oder Kleinlastwagens zu sehen.
Ich denke mir, wo ein Auto runter zum Fluss kommt, da kommen wir
auch herunter. Wir folgen den Reifenspuren nach links zum Fluss.
Nach einigen Kilometern kommen wir an einige frisch gepflügte
Felder und nicht bewohnte Hütten. Man wartet wohl auf die
Regenzeit um zu pflanzen. Auch hier wurden Bäume gefällt. Meine
Frau wird von zwei Bienen gestochen und die Luft ist von einem ärgerlichen
Gesumme erfüllt. Die wurden wahrscheinlich beim Fällen der Bäume
gestört und sind stinkesauer. Wir laufen bis sie von uns
ablassen. Dann erkenne ich den Fehler den ich gemacht habe. Der
Weg ist hier bei den Feldern zu Ende und wir sind hoch oben über
dem Fluss. Wir hätten am Wäldchen die andere Richtung
einschlagen müssen und wären dann bei der Pelaez Farm
herausgekommen. Es ist 15.30 Uhr und zu spät um umzukehren.
Wir finden einen kleinen Pfad der bergab zum Fluss führt. Auf der
anderen Seite der Schlucht sehen wir eine Gruppe Leute die einen
ähnlichen Weg heruntergehen. Als ich die dort in der Wand sehe,
sträuben sich mir die Nackenhaare. Wir haben zwei Möglichkeiten.
Wir bleiben über Nacht in einer der Hütten und gehen am nächsten
Tag den Weg zurück bis zum Wäldchen und folgen dann der
Reifenspur in die andere Richtung oder wir versuchen unser Glück
auf diesem Pfad nach unten zum Fluss zu kommen. Wir entscheiden
uns für den Fluss. Ich gehe mit dem Hund vor, aber nicht lange,
dann rutsche ich in der Hocke den Weg hinunter. Der Pfad ist
bedeckt mit losem Geröll, den wahrscheinlich nur die Eingeborenen
barfuss laufen können. Wir rutschen alle mehr als wir gehen. Der
einzige der keine Angst hat, ist unser Rex. An einer Seite geht es
immer steil bergab. Meine Frau rutscht aus und macht einen
Kuselkopf, weil sie ja nicht in die Hocke will. Mir schiesst es
durch den Kopf, wenn sie sich nun den Fuss gebrochen hat.
Gottseidank, sie lacht, alles gutgegangen. Ich schwöre mir, nicht
noch einmal. Nach dreissig Minuten kommen wir zerschunden unten am
Fluss an und lassen einige Zeit die Füsse im Wasser kühlen.
Unten am Fluss sind wir schon im Schatten. Eine Viertelstunde später
kommen wir an die ersten bewohnten Behausungen. Wir wollen dem
Fluss folgen bis wir wieder in der Stadt sind, aber die Leute
raten davon ab. Sie sagen, wir würden das bis zum Dunkel werden
nicht schaffen und sollten besser die andere Schluchtwand wieder
hoch zur Strasse nehmen. Ich weigere mich den Weg zu nehmen, wo
wir die Leute in der Wand gesehen haben. Man erklärt uns noch
einen anderen, nicht so steilen Weg. Wir finden den Weg und
derAufstieg beginnt. Die Beine schmerzen als wir oben ankommen. Es
sind noch einige Kilometer bis zu der kleinen Siedlung durch die
wir auf unserem Hinweg kamen, aber wir sind wieder auf der Strasse
die wir kennen. Wir schleppen uns in Richtung nach Hause. Das
Wasser ist auch schon wieder alle. Ein 'coconut pilot' holt uns
eine Nuss von einer Palme und öffnet sie für uns und wir trinken
gierig. Als wir wieder an dem Store auftauchen wo wir schon
morgens waren, schauen sie uns ungläubig an wo wir denn nun schon
wieder herkommen. Wir bekommen noch etwas Kaltes zu trinken und
Rex soviel Wasser wie er möchte. Als meine Frau erzählt welchen
Weg wir nur zum Vergnügen gegangen sind und wo wir überall
waren, schütteln sie nur mit dem Kopf. Verrückte Langnasen.
Einige der Bewohner sind in ihrem ganzen Leben noch niemals dort
gewesen wo wir an diesem Sonntag waren. Wozu auch? Es wird dunkel,
aber es reicht uns, uns bis nach Hause zu schleppen.
Wir waren nicht genügend vorbereitet für ein Abenteuer nur
wenige Kilometer von der Stadt entfernt. Wir hätten leichte
Decken (Laken) für die kühle Nacht mithaben müssen, mehr
hochkonzentrierte Nahrung (Schokoladenriegel). Wir hatten keine
Taschenlampen mit für einbrechende Dunkelheit. Obwohl wir immer
wieder bei jeder Gelegenheit unsere Wasservorräte aufgefüllt
haben, hatten wir beim letzten Aufstieg nicht genügend Wasser.
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