Ein selbstmörderischer Trip nach Miagao

 

15-philippinen-selbstmoerderische-jeepneyfahrt-nach-miagao-panay-01Wenn es auch nur diesen einen Grund gibt, um nach Iloilo zu reisen, dann ist es, um persönlich die prachtvolle, historische Kirche und Bollwerk von Miagao zu sehen. Dies und nur dies, war der Grund für meine lange und ermüdente Tour und ich wurde mehr als entschädigt für die Strapazen. Eigentlich gibt es Hunderte und mehr Gründe um nach Panay zu reisen, die jeder all diese Kilometer, um sie zu erreichen Wert sind.

Ich hätte mit einem kurzen Flug nach Iloilo kommen können, habe mich aber für die See- und Landweg entschlossen. Von Manila ist es natürlich ein Unterschied ob ich in etwa einer Stunde Flugzeit oder 25-stündiger Busfahrt, für etwa den gleichen Preis in Iloilo ankomme. Beim Flug wird man allerdings die Erfahrung, wie einfache Leute reisen nicht machen. Dafür erfährt man etwas über Land und Leute, teilt mit ihnen einen Tisch in einer der Carenderias auf dem Weg und macht vielleicht so gar neue Freunde. Die Freude am Reisen kommt viel deutlicher zur Geltung bei der Seeüberquerung auf dem Schiff. Vage Erinnerungen, wie es damals in Zeiten von Karawanen gewesen sein muss, streichen gedanklich durch den Kopf. Es war eine fantastische Reise.

Nach der Ankunft in einem der bezahlbaren Hotels in der Stadt Iloilo, begann ich mit der Suche nach der Straße nach Miagao. Es war bereits Mittag und einer der typischen tropischen heißen und schwülen Tage. Ich wollte aber so schnell wie möglich nach Miagao.

Ich als Filipino kam hier als total Fremder an und hatte nur ein sehr begrenztes Wissen über den Hiligaynon Dialekt. Ich hatte einmal eine Freundin von Capiz. Sie hatte mir etwas Hiligaynon beigebracht – bevor sie jemanden anderes heiratete – aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ich teste mein Tagolog mit einem Hiligaynon Akzent an einem Sikad-Fahrer und siehe, es ging. In wenigen Minuten war ich am öffentlichen Markt. Hier fand ich einen der Jeepneys, der mich nach Miagao bringen sollte. Miagao liegt etwa 40 Kilometer von Iloilo Stadt entfernt. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten entlag der südlichen Küste der Insel Panay.

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Die Jeepneys hier sind länger und breiter als man es in Manila gewöhnt ist. Innen können bis zu 30 Fahrgäste sitzen und nochmals 5 bis 7 können hinten am Einstieg stehen und sich an einem Geländer festhalten. Schweres Gepäck, Säcke mit Reis und Futter, anderes sperriges Material kommt auf das Dach und zu manchen Zielen auch noch Fahrgäste.

Ich wollte den am meisten aufregenden Weg nach Miagao nehmen und am Eingang hinten am Jeepney stehen während der Fahrt nach Miagao. Ich hatte mir gedacht, von hier hätte ich eine gute Möglichkeit Fotos zu machen und die Straße und die Umgebung zu sehen.

Ich wußte, das ist ein extrem gefährliches Unternehmen, was an Selbstmord grenzte, da ich die Straßenverhältnisse nicht kannte und ich bisher noch keine Erfahrung von solch einem Transport gemacht hatte. Was soll es, wenn andere das können, kann ich das auch. Mein einziger Nachteil würde sein, in der rechten Hand meine Kamera zu halten und mich mit der linken am Geländer festzuhalten. Ich hatte keine Ahnung, ob von den Fotos etwas werden würde. Ich konnte jetzt aber auch nicht aufgeben, nach dem ich schon 500 Kilometer gefahren war und das sollte doch jetzt nicht an den letzten 40 Kilometern scheitern.

Unser netter Jeepney-Schaffner nimmt das Fahrgeld entgegen und hilft älteren Personen. Er sitzt natürlich auch nicht im Inneren des Jeepneys, sondern ist außerhalb des Fahrzeuges. Ich bin mir nicht sicher, ob dies seine Art zu lächeln war, nachdem ich ihn darum gebeten hatte. Wir fahren mit etwas 80 km/h. Unser Fahrer hatte wohl ein Wettrennen mit einem anderen Jeepney begonnen und mein Adrenalinspiegel stieg schlagartig an.

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Wir müssen eine Holzbrücke überqueren. Diese kann immer nur ein Fahrzeug in eine Richtung bewältigen und wird von einem Hilfspolizisten reguliert. Später fahren wir über den Sibalom Fluss in der Gemeinde Tigbauan. Nach meinen Erfahrungen mit Flüssen in Manila, hatte ich sofort das Bedürfnis anzuhalten, zum Ufer herunterzustürzen und in dem erfrischenden Wasser zu baden. Die Fahrt geht entlang der Küstenstraße, die sich nur wenige Meter vom Meer entfernt befindet.

Nach rund 45 Minuten haben wir den schönen Ort Miagao erreicht. Ich bedankte mich fürs Überleben bei meinem Fahrer und Schaffner. Der Jeepney setzte seine Fahrt weiter nach San Joaquin fort.

Ich konnte den ersten Blick auf mein Ziel, warum ich diesen Weg auf mich genommen hatte, werfen. Auf die Kirche und Festung von Miagao. Mal ehrlich, ist das nicht einen Todesritt von 45 Minuten außerhalb eines Jeepneys Wert.

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Dieser Beitrag ist im Original von Dennis Villegas auf seinem Blog gleichen Namens erschienen (http://dennisvillegas.blogspot.com/)
Fotos: Dennis Villegas

Die Geschichte wurde von mir frei aber sinngemäß ins Deutsche übersetzt.