Wo kommen nur die ganzen Verkäuferinnen her?

 

oder Leben in den Slums

 

Hübsche, junge Verkäuferinnen eines Kaufhauses gehen in ihrer Mittagspause zu einer der umliegenden billigen Eateries wo sie für wenig Geld ihre Mahlzeiten einnehmen, denn viel verdienen sie in ihrem Job nicht.

PHILIPPINEN REISEN BLOG - Leben in den Slums Foto: Sir Dieter Sokoll KR
PHILIPPINEN REISEN BLOG – Leben in den Slums
Foto: Sir Dieter Sokoll KR
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Wenn ihr wissen wollt, wo ein Großteil dieser Mädels herkommt, dann kommt mal mit mir mit in eine der dichtbesiedelten Stadtteile, die auch Slums genannt werden.

 

Dort wo solche Wohngebiete an größere Straßen grenzen, gibt es oft wartende Sikads mit ihren Fahrern, die auch ihren Anteil an dem mickrigen Lohn dieser Verkäuferinnen oder am täglichen Taschengeld von Schülern haben wollen, weil diese sehr oft ‘fußkrank’ sind, sprich: sie laufen halt nicht gerne, so wie die meisten Menschen hier.

Selbst die ersten Straßen sind schon eng. Sie haben oft offene Abwasserkanale an beiden Seiten. Für zwei entgegenkommende Autos wird es schon hier eng.

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Ich gehe zu Fuß, so wie meistens. Wir gehen nun in ein paar Seitenstraßen. Die sind dann schon nicht mehr zementiert. Abwasser fließt oft offen bis zum nächsten Kanal.

Die Straßen sind alles, Abstellplatz, Parkplatz, Verkaufsplatz und vor allem: Lebensraum.

Von solchen Straßen schlängeln sich dann nur noch enge Gehwege durch die Häuser und Hütten. Manchmal verdienen sie selbst diese Bezeichnung nicht mehr. Auch wenn es dazwischen immer wieder neue Häuser aus Beton, Stein und Wellblech gibt, so ist die Mehrzahl doch zusammengeflickt aus Baumaterialien die man gerade zur Hand hat. Das können Industrie- und Verpackungsabfälle von der Arbeitsstelle sein. Die Plane sind oft alte Werbeplane die man irgendwo abgerissen hat.

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Wenn man wegen der neuen Häuser nachfragt, erfährt man oft, dass eine der Töchter des Hausbesitzers in Japan, einer der Familie als OFW in der Welt arbeitet. Diese Häuser sind in allen Rohbauphasen bereits bewohnt zu sehen. Denn es wird immer dann gebaut, wenn wieder Geld eingegangen ist. Bei manchen sieht man aber, dass die Arbeiten schon eine Weile ruhen. Dort ist der Geldfluss gestoppt oder aus welchen Gründen auch immer unterbrochen. Dafür sieht man dann viele Männer in und vor den Häusern in Unterhemden, die dort schon in den frühen Morgenstunden ein philippinisches Macho-Frühstück zu sich nehmen. Ein philippinisches Macho-Frühstück besteht aus einer Pocket-size Flasche Rhum, einer ganz kleinen Flasche Seven-Up, einer Stange Eis und ein paar Kalamansifrüchten (kleine zitronenähnliche Frucht)

 

Dann gehen wir jetzt mal in eine dieser Behausungen hinein. Wir sind in einer dieser Unterkünfte, die hier Lodginghouses genannt werden. Dort werden auf kleinstem Raum mit Bretterwänden Zimmer vermietet. Dazu gehört dann meist ein Gemeinschaftsraum wo gekocht werden kann und eine Gemeinschaftstoilette.

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Rechts nicht im Bild befindet sich kleiner, billiger Klapptisch und zwei Stühle. Links steht ein wackeliges Doppelbett. Wenn ihr der Meinung seid ihr übernachtet schon günstig, dann wird das hier wohl jeden anderen Preis schlagen. Das Bett kann von Transit-Gästen für 10 Pesos die Nacht gemietet werden.

Der Spielplatz der Kinder ist in diesen dunklen Löchern, die oftmals zwar eine Öffnung aber selten ein richtiges Fenster haben oder in den schmutzigen Gassen. Rechts hinter der Wand befinden sich zwei oder drei kleine Zimmer die vermietet sind. Vor diesen Zimmern befindet sich die Gemeinschaftsküche.

Hier hat die Frau, die ich besuche, ihre eigene kleine Welt in all dem Dreck und Elend für sich gebaut. Für das Zimmer zahlt sie 1.500 Pesos Miete im Monat. In dem Preis ist der Strom enthalten für eine kleine nackte Lampe mit ein paar Watt, wo sie auch ihr Handy aufladen kann. Der kleine Fernseher ist schon Luxus, für den sie nochmals 100 Peso im Monat bezahlen muss.

Hier ist alles sauber und aufgeräumt. Die Schuhe bleiben draußen. Platz für einen kleinen Tisch zum Essen ist hier nicht mehr. Wenn sie nicht am Gemeinschaftstisch essen möchte, was oft der Fall ist, weil man dann wieder mit den Nachbarn teilen muss, die an diesem Tag wieder mal nichts zu essen haben. Dann wird auf dem Boden vor dem Bett gesessen und der Fußboden ist der Tisch. Bin ich also über den Tisch gelaufen. Finanzieren kann die Frau dieses Zimmer mit ihrer Arbeit durch Mani- und Pediküre und Massagen. Sie geht zu ihren Kunden ins Haus.

Über eine wackelige, halb verrottete Treppe aus Holz zeigt man mir die obere Etage. Dort hängt gerade alles voller Wäsche zum Trocknen.

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Dort oben gibt es vier noch kleinere Zimmer, die nur 1.200 Peso kosten. Man schaut den Nachbarn durch Tür- und Fensteröffnungen. Wenn hier ein Feuer ausbricht, dann brennt es und es brennt schnell. Da gibt es deutsche Mitmenschen in den Foren, die so etwas wahrscheinlich noch niemals hautnah miterlebt haben aber der Meinung sind, sie könnten dies mit deutschen Umständen vergleichen.

Ich mache mich wieder auf den Weg nach unten. Wenn ich herunterschaue, sehe ich einen Mann seine Wäsche waschen. Auf die Frage, warum er seine Wäsche selber waschen muss, ist die Antwort ganz einfach. Er hat keine Frau. Folglich muss er seine Wäsche selber waschen oder waschen lassen, das kostet Geld. Hier in den Slums kostet alles Geld. Jede kleine Handreichung muss bezahlt werden. Das garantiert irgendwie ein Überleben.

Unten wartet schon das kleine Mädchen auf mich. Immer wenn ich sie da sehe, stimmt es mich sehr traurig.

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Die Frau geht nun nach oben um die Wäsche abzunehmen. Andere wollen schließlich auch noch ihre Wäsche aufhängen. Über Nacht sollte man die Wäsche schon gar nicht draußen hängen lassen und selbst am Tag muss man sie im Auge behalten und kann nicht mal eben weggehen. Ein T-shirt, eine Jeans ja selbst ein Nagel bedeutet hier Besitz auf den man aufpassen muss.

Als sie mit der Wäsche herunterkommt, fällt mir der vom Wasser grün und hart gewordene Sack Zement unten an der Holztreppe auf. Auf meine Frage, warum den nicht mal einer wegnimmt, bekomme ich zur Anwort: Dann fällt die Treppe um.

Die meisten Menschen der Stadt leben unter solchen Bedingungen und nicht wie man vielleicht annehmen mag, in den Subdivisions.

Ich verabschiede mich von der Frau und dem kleinen Mädchen, welches immer wieder zu mir schaute und mich beobachtete.

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Draußen spielten zwei andere Kinder in einem leeren Sikad und lächelten das Lächeln wie es die Menschen hier tun. Das Lächeln was wir Langnasen an diesen Menschen so bewundern.

Denken wir doch das nächste Mal, wenn wir die vielen hübschen und jungen Verkäuferinnen in den glitzernden Konsumententempeln sehen, woher die meisten am Morgen gekommen und in welche Löcher die meisten am Abend wieder verschwinden werden.

Auf Wiedersehen kleines Mädchen. Vielleicht gehörst Du auch eines Tages zu diesen jungen Frauen die für wenig Lohn in den Malls und Geschäften arbeiten gehen.