Lebensgeschichte – 03

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

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Unsere Deutschland Zeit

 

Nach herzlichem Abschied von Familie, Verwandten, Freunden und Nachbarn in Cebu City, flogen wir nach Manila. Ich weiss heute nicht mehr ob wir ihren Reisepass in Cebu oder Manila bekommen haben. Ich kann mich nur noch erinnern, dass jetzt das Geld wirklich knapp wurde. Um zu sparen, hatte uns jemand geraten, dass wir im Papst Pius Center übernachten, aber billig war das auch nicht. Irgendetwas brauchten wir noch von der Deutschen Botschaft. Wir waren sehr dankbar, dass man uns auch noch am Nachmittag, obwohl geschlossen war, die Unterlangen unter der Tür durchschieben liess (es war 1976) und nach einer Weile warten wurden die Unterlangen auch auf dem selben Wege zurückgeschoben. Es war wirklich nur noch Geld fürs Taxi zum Flughafen da. Aber dort sollten wir dann noch entweder die Flughafengebühr oder die Travel Tax zahlen. Das Geld hatte ich nicht mehr. Meine Frau weinte. Da sprach mich ein freundlicher deutscher Rückreisender Urlauber an, was denn los sei. Nachdem ich ihm unsere Misere geschildert hatte, war er bereit mir die benötigten Pesos gegen Ausstellung eines DM Schecks zu geben. Mann, war ich dankbar.

Also auf nach Deutschland. In Frankfurt am Flughafen warteten meine Eltern auf uns, um uns mit dem Auto in Münsterland nach Hause zu fahren. Für mich, nach all der Aufregung endlich wieder Zuhause. Für meine Frau alles neu und anders. Und hier fingen die Probleme schon an, obwohl ich es da noch nicht bemerkte. Ich musste wieder zur Arbeit und sie war in diesem grossen Haus in der Woche alleine. Zum Glück wohnten meine Eltern gleich im Nachbarhaus auf dem selben Grundstück. Meine Mutter kümmerte sich rührend um sie. Obwohl sie sich mit Worten nicht verständigen konnten, aber sie haben viel zusammen gelacht. Am Abend, wenn ich nach Hause kam, erklärten sie mir beide aus ihrer Sicht, was sie voneinander gelernt hatten und was sie aus Gesten verstanden hatten. Und dann war da auch noch der grosse Schäferhund. Der Rex hatte meine Frau gleich an dem Abend, als wir vom Flughafen kamen, durch anspringen und belecken erklärt, dass er von sofort an für sie immer da ist. Die beiden wurden dicke Freunde. Aber trotzdem müssen die langen Wochentage alleine an ihr gezehrt haben. Wir fanden zwei philippinische Krankenschwestern in Münster, aber auch diese hatten ihre Arbeit zu tun und ich konnte mit ihr nur am Wochende mit ihr dorthin fahren oder sie kamen zu uns. Alleine mit dem Bus in die Stadt traute sie sich nicht. Zu der Zeit gab es noch nicht so viele Filipinas, zumindest nicht in unserer Gegend. Auch vermisste sie sehr wohl das tägliche Leben wie bei ihr zuhause, wo immer Leute auf der Strasse und viele Nachbarn zu Hause sind. Nicht wie hier, wo die Nachbarn auch auf der Arbeit sind und sich nicht um die Belange der anderen soviel kümmern wie dort. Es wurde Herbst und Winter, was nicht zu ihrer Stimmung beitrug.

Im nächsten Jahr wurde unser Sohn geboren. Sie wollte zur Geburt nicht ins Krankenhaus, aber unser Hausarzt bestand darauf. Alles ging gut, aber dass man ihr das Baby wegnahm und es im Babysaal alleine schlafen musste, und man es ihr nur zum Stillen brachte, hat sie nie verstanden. Sie war der Meinung, man macht da was Böses mit dem Kind. Sie verstand auch nicht, dass sie sieben Tage im Krankenhaus bleiben sollte. Da half auch das guteZureden der philippinischen Krankenschwestern nichts. Nach drei Tagen im Krankenhaus, unterschrieb sie ein Papier, dass sie das Krankenhaus auf eigenen Wunsch verlässt. In den Philippinen gehen die Mütter noch am gleichen Tag oder spätestens am nächsten Tag nach Hause, wenn es keine Komplikationen gegeben hat.

Sie wollte zurück nach Hause, nach Cebu City. Ich habe so schnell es ging, einen Flug für uns drei besorgt, einen Kinderausweis mit einem Foto von einem ein paar Tage alten Baby, dass gerade mal die Augen offen hatte. Sechs Wochen nach der Geburt waren wir wieder auf dem Weg auf die Philippinen.

In der kurzen Wartezeit bis zum Abflug blühte meine Frau richtig auf. Auf dem Flug kam unser Sohn in ein kleines Körbchen zum Schlafen, welches am overhead rack eingehänght wurde. Bei der Ankunft in Manila funktioniert die aircon nicht (damals schon). Dem Kleinen blieb regelrecht der Atem stehen und ich geriet in Panik. Ich weiss nicht, wass meine Frau gemacht hat, aber auf einmal schrie er und atmete wieder. Da ich mit der philippinischen Mentalität des Schmierens und Bestechens nicht bewandert war, liess man uns bis zum letzten Flug auf der Warteliste sitzen. Spät abends waren wir dann endlich wieder in Cebu City. Sie überglücklich und ich mit gemischen Gefühlen.