Lebensgeschichte – 04

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

04

 

Unsere Deutschland Zeit – 2. Teil

 

In den folgend Tagen wurde des Öfteren Palaver und Familienrat mit Grosseltern, Eltern, Geschwistern, Onkeln und Tanten gehalten und natürlich ging es darum, dass meine Frau mit dem Kind in Cebu bleiben wollten. Nach einigen Tagen nahm mich der Schwager beiseite und erzählte mir, dass man wohl der Meinung sei, dass meine Frau mit dem Kind in Cebu bleiben soll. Aber man wolle doch auch meine Meinung dazu hören. Ob das, was ich darauf hin sagte, die richtige Entscheidung war, bezweifele ich heute. Aber dann wäre alles sicherlich ganz anders gekommen. Aber ich sagte damals, dass Frau und Kind mit dem Mann zusammen gehören und zusammen leben sollten. Darauf hin hat die Familie „beschlossen“ oder auf meine Frau eingeredet, wieder mit mir nach D. zu fliegen.

Meine Eltern holten uns wieder in Frankfurt ab. Sie hatten nicht geglaubt, dass meine Frau wieder mit zurück kommt. Sie hatten mir davon aber nichts gesagt, erst jetzt wo wir wieder da waren. Es war Winter, wurde Frühjahr und Sommer 1978. Der Zustand meiner Frau verschlimmerte sich zusehends und wurde durch unseren kleinen Sohn nicht gemindert. Sie hörte Stimmen und fühlte sich verfolgt. Manchmal, wenn ich abends nach Hause kam, hatte sie sich mit dem Kind versteckt. Der Arzt gab ihr Medikamente gegen Depressionen. Sie sass trotzdem oft einfach da und verstand nicht, dass ich die Stimmen nicht hören konnte. Sie dachte, ich würde sie belügen. Es kam soweit, dass ich eines Tages nach Hause kam und sie im Keller die gesamten Kabel im Hauptverteilerkasten auseinander genommen hatte, auf der Suche nach den Stimmen. Sie muss einen sehr gut aufpassenden Schutzengel gehabt haben. Ich musste einen Elektriker rufen, der es wieder in Ordnung brachte.

Am nächsten Tag kam unser Hausarzt ins Haus. Er beschloss, sie müsse ins Landeskrankenhaus eingewiesen werden, zu ihrem eigenen Schutz. Das war ein schwerer Tag, als sie kamen um sie zu holen. Sie wollte nicht.

Ich kann mir nur in etwa vorstellen, was in ihr vorgegangen sein muss. Ich stand da mit unserem kleinen Sohn auf dem Arm im Wohnzimmer und habe geweint. Dann war sie weg und wir allein.

Am Wochenende habe ich dann den Kleinen ins Auto gepackt und wir durften sie besuchen fahren. Mein Gott. In der geschlossenen Abteilung war sie. Ich will das nicht beschreiben. Unsere beiden philippinischen Krankenschwestern arbeiteten zum Glück in diesem Krankenhaus, nicht in dieser Abteilung, aber immer wann sie Zeit hatten, kamen sie um nach ihr zu schauen. Sie war vollgepumpt mit Medikamenten und wurde ruhiger. Und ich immer hilfloser mit den ganzen Eindrücken.

Meine Mutter musste nun unseren Sohn versorgen. Ich weiß nicht wieviele Wochen das so ging. An den Wochenenden fuhren wir jeden Tag hin um die zwei Tage mit ihr zu verbringen. Sie sagte immer wieder, sie wolle da raus. Ich sprach mit der zuständigen Ärztin. Die sagte mir klipp und klar: Wenn es eine Chance gibt für meine Frau, dann muss sie zurück in die gewohnte Umgebung ihrer Familie, Stadt, Land und Klima. Da gabe es kein langes Überlegen für mich und meine Eltern waren auch schnell überzeugt. Am nächsten Wochenende erzählte ich ihr von meiner Entscheidung. Sie war überglücklich und konnte auch in kurzer Zeit wieder zu uns zurück nach Hause kommen. Sie musste weiterhin Medikamente nehmen, aber ihre Tage waren ausgefüllt mit Planungen und Erwartungen.