Lebensgeschichte – 16

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

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Mein erster Besuch in Deutschland nach der Auswanderung

Flugtickets nach DE waren im Jahr 1981 sehr teuer, zumindest für mich. Ich hatte mir ein one-way Ticket mit PAL von Manila nach Bangkok gekauft. Da Bangkok eine Drehscheibe war, dachte ich dort ein günstiges Ticket nach Frankfurt zu bekommen. Den Weg von Cebu nach Manila wollte ich mit dem Schiff zurücklegen. Das damalige Flagschiff der William Lines war die Dona Virginia.

 

 

Der Abend der Abfahrt war gekommen und die Familie brachte mich zum Hafen in Cebu City. Ich hatte wieder Billig-Klasse gebucht. Oben auf dem Deck mit einer Pritsche. Diese Art der Schiffsreise hat mir damals gefallen. Das Schiff war voll. Ich stand mit vielen Leuten an der zum Kai zugekehrten Seite als wir abfuhren und suchte meine Leute um zu winken. Dort unten am Kai standen auch viele Leute die von ihren Lieben Abschied nahmen. Ich entdeckte meine Familie und winkte als wir ablegten. (Später, in DE angekommen, bekam ich einen bitterbösen Brief meiner Frau, ob das meine ‚kabit’ (Geliebte) gewesen wäre, die da neben mir gestanden habe. Ich konnte mich kaum erinnern, das eine Frau neben mir gestanden hat und ich auch einige Worte mit ihr gewechselt habe.)

 

 

In Manila angekommen, suchte ich die Schwester meiner Frau auf. Hehe, was hatte ich wieder eine Ahnung davon, dass die mit einem Polizisten befreundet war und sie in der ‚Green Lantern’ auf der M. H.del Pilar arbeitete. So kam ich das erstemal mit Ermita in Manila in Kontakt. Aber dafür war keine Zeit. Der Flug nach Bangkok wartete.

In Bangkok auf dem Flughafen angekommen sprach mich ein Reisender an ob wir uns nicht ein Taxi in die Stadt teilen sollten. Ich stimmte dem erfreut zu, denn ich kannte Bangkok nicht, und war zum erstenmal dort. Er wollte Steine kaufen in Bangkok und zuhause fassen lassen und dann verkaufen. Da hatte ich keine Ahnung von, aber ich hörte gerne zu, man konnte ja was lernen. Er wusste ein Hotel auf der Sukumvit, in einer der kleinen Sois in der Nähe der Eisenbahnbrücke. Ich weiß den Namen des Hotels nicht mehr. Ich weiß nur noch, es hatte einen ganz kleinen Pool und dort sassen wir zum Frühstück und auch mal auf ein Bier. Auf der anderen Seite der Sukumvit war das berühmt berüchtigte Grace Hotel. Da war ich dann einmal drin um mir eine Begleitung zu holen. Oh Mann, oh Mann, soetwas hatte ich noch nicht gesehen. Da sassen überall dickbäuchige Männer mit jungen Mädchen an den Tischen. Auf dem Fussboden stand das verschüttete Bier. Hehe, mir kam ein Mädchen entgegen und fragte ob ich sie suche. Ich sagte, ja, und nichts wie wieder raus da, zurück mit ihr zum Hotel an den kleinen Pool. Das war das einzige mal wo ich im Grace war.

Haha, ich hatte eine Geschichte in einer deutschen Illustrierten von Bangkok und der Massage gelesen. Das wollte ich ausprobieren. Ich Nichtsahnender packte eine kleine Tasche mit frischer Unterwäsche und extra T-shirt und machte mich auf den Weg um einen Massageparlor zu finden. Gleich um die Ecke vom Hotel gab es einen. Auch den Namen weisß ich nicht mehr. Das Herz in die Hand genommen und hinein da. Da stand ich nun mit meinem Täschchen und Mamasan fragte was ich für Wünsche hätte. Ich könnte mir ein Mädchen aussuchen und deutete dabei auf eine grosse Glasscheibe. Dahinter waren eine Menge von Mädchen zu sehen alle in Bikinis. Alle hatten eine Nummer anstecken. Ich entschied mich für die Nummer 25 und machte den Preis aus bis zu meiner Abreise. Ich hatte eine Woche Zeit in Bangkok. Nach kurzer Zeit kam sie hüsch angezogen und fragte wohin wir gehen würden. Hehe, und ich dachte wir würden dort bleiben, deswegen hatte ich ja alles mitgebracht. Ich sagte ihr, dass ich gleich um die Ecke im Hotel wohnen würde. Wir auf ins Hotel, sie wollte gleich zusammen unter die Dusche. In den nächsten Tagen hat sie mir Bangkok gezeigt, Wir sind die meiste Zeit mit einem der Tuk-Tuks gefahren, auch mal mit einem der Busse. Ich habe den ‚Schlafenden Budda’ gesehen, den ‚Goldenen Budda’ und noch einige Tempel. Sie liess sich und mir die Zukunft vorhersagen. Zwischendurch war ich mal nach Thai-Seide schauen. Da gab es einen Showroom nicht so weit weg von der Sukumvit. Ich kaufte einige schöne Muster.
Wir haben viel im Biergarten gesessen, Bier getrunken, mit anderen Reisenden gute Unterhaltungen geführt. Eines Tages machte sie mir klar sie wolle zu ihrer Wohnung, ob ich nicht mitkommen würde. Zuerst traute ich mich nicht so recht, bin dann aber doch mit. Als wir ankamen standen wir vor einem riesigen mehrstöckingem Wohnkomplex mit offenen Eingängen. Die Zugänge zu den Wohnungen waren nach aussen auf einem langen Balkon der als Flur diente. Überall schreiende Kinder, überall hing Wäsche. Ich wurde ein paar Leuten vorgestellt,ich weiß nicht ob das ihre Eltern oder andere Verwandte waren. Sie packte sich ein paar Sachen ein und wir blieben nicht lange dort. Ich habe mich bei der ganzen Aktion auch nicht wohlgefühlt. Vielleicht hat sie das gemerkt. Sie war mir überall bei behilflich. Ich weiss nicht mehr was es war, aber wir mussten auf irgendeine Behörde, eventuell mein Visa verlängern oder zur Polizei, weil ich mich an Uniformen erinnere, vielleicht musste auch sie etwas erledigen. Auch bei der Suche nach einem Weiterflug Ticket nach Frankfurt hat sie mir geholfen. Ich bekam dann ein Ticket mit der PIA (Pakistan Airlines) nach Frankfurt. Beim Abschied sagte ich ihr, dass ich in sechs Wochen wiederkommen würde. Auf dem Flughafen von Bangkok überall gröllende und besoffene Europäer. Ich wusste gar nicht wohin ich mich verdrücken sollte um davon Abstand zu haben. So eine Visitenkarte abzugeben ist schon schmerzlich, und wenn dich dann jemand fragt welcher Nationalität du bist und auf die Antwort dann nur ein ‚aha’ erhälst, muss man sich nicht wundern, wenn man Sprüche wie diese zu hören bekommt: Mit dem ‚Clippertripper’ oder ‚Bumsbomber’ nach Bangkok und zurück.

 

 

Der Flug von Bangkok nach Frankfurt hatte einen Stop-over in Karachi. Wir kamen gegen 3 Uhr morgens in Karachi an. Wir mussten dort das Flugzug wechseln. Man karrte die Transit Passagiere mit dem Bus in eine Wellblechbude irgendwo auf dem Flugplatzgelände. Alle mussten ihre Pässe abgeben und auf einen Tisch legen. Da sass ein Uniformierter und konnte die meisten Pässe wohl nicht lesen, denn oft hielt er sie einfach nur verkehrt herum. Auf jeden Fall stempelte er alle Pässe und warf sie danach auf den Nachbartisch. Es gab keine Klimaanlage in dieser Wellblechbude. Es war eine brüllende stinkende Affenhitze in diesem Zoo. Kurz vor dem Weiterflug konnten wir uns dann jeder seinen Reisepass aus dem Haufen wieder heraussuchen. Das war auch mein einziger Flug mit PIA und wird auch wohl mein einziger bleiben. Es war einfach nur alles lausig.

In Frankfurt angekommen, mit der Bahn wieder ins heimische Münsterland zu meinen Eltern. Die freuten sich nachtürlich, und ich mich auch. Endlich mal wieder Mutters Küche futtern. Ich bin immer gerne zu meinen Eltern nachhause gekommen.

In den nächsten Tagen half mir ein Nachbar beim Autohändler im Nachbarort einen alten gebrauchten Ford M 20 für DEM 1.000 zu kaufen. Mit dem wollte ich dann die Märkte und Flohmärkte der Umbebung mit meinen mitgebrachten Waren heimsuchen. Am Flughafen in Frankfurt hatte es mit dem Gepäck keine Probleme gegeben. Zuerstmal bekamen alle Bekannte von früher meine Aufwartung gemacht. Da ging schon eine ganze Menge Zeugs weg. An irgendeinem der Markttage lernte ich einen Marktschreier kennen. Der kam sogar auch noch aus meinem Ort. Sie nannten ihn den Teichgrafen, weil er einen grossen Teich im Garten hatte. Wir traffen uns abends danach in der Kneipe am Ort. Er verkaufte als Marktschreier Teppichreinigungsmittel. Er machte mir den Vorschlag, da ich Auto und Führerschein hatte und er aber zur Zeit keinen Führerschein, mit ihm zusammen zu den Märkten zu fahren. So verabredenten wir uns gleich zum kommenden verkaufsoffenen Samstag nach Bochum (ich glaube es war Bochum) in die Fussgängerzone zu fahren und dort unsere Stände zusammen aufzubauen.
Er brauchte normalerweise nur 1 laufenden Meter. Mit meinem Blusenständer brauchten wir aber insgesamt 3 laufende Meter. Er kannte den Besitzer von einem Schuhgeschäft und schon hatten wir unsere 3 Meter zum Preis von DEM 300 für den Tag.. Der Muschelschmuck nahm ja nicht viel Platz weg. An dem Tag habe ich etwa für DEM 3.000 verkauft. Der Rest der Blusen ging ruckzuck in den nächsten Tagen auf Wochenmärkten weg.

Er war natürlich mit seinem Marktgeschrei die Sensation auf jedem Markt. Er hatte einen kleinen oelrusseingeschwärzten Läufer zum Vorführen wie gut das Zeug ist. Dabei hatte er etwas Wasser in einer Schüssel und zur Demonstration schüttete er immer eine Verschlusskappe voll der Lösung hinein und attackierte dann unter Geschrei den Läufer.
Wenn denn gar keiner kaufen wollte, schmierte er sich das Zeugs auch schon mal ins linke Auge. Das war eh ein Glasauge hahaha.

Innerhalb einer Woche waren meine Blusen alle weg und ich hatte noch soviel Zeit in DE. Also faxte ich an meinen Freund bei der IHK in Iloilo eine Bestellung. Der faxte mir den Betrag zurück und ich machte eine Überweisung.

Jetzt hatte ich nur noch Muschelschmuck und konnte nicht viel anderes machen. Also fuhr ich den Marktschreier durch die Gegend. Mit dem Teppichreinigungsmittel wurde unglaubliches Geld verdient. Ein Liter des Konzentrates kostete im Einkauf DEM 1,50 und wurde verkauft für DEM 10,00; das Gerät mit Schwammrollen ohne Stiel kostete im Einkauf DEM 3,50 und ging weg für DEM 25,00. An guten Tagen kamen schon mal DEM 2,000,- zusammen, und an normalen Markttagen aber immerhin so um die DEM 800 oder auch mehr.