Lebensgeschichte – 20

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

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Unser Leben in Cebu City

11.Teil – Wie ich zu dem Namen Dieter Pahak komme und wie ich meine heutige Frau kennenlerne

Es war ein ganz normaler Wochentag, aber kein Donnerstag, also war ich zuhause. Schwiegereltern waren auch da, weil es mit meiner Frau Probleme gab. Da die Medzin für ihre Depressionen und ihren Verfolgungswahn weggeschmissen wurde und die Alberei von dem Quack auch nichts gebracht hat, war das auch nicht anders zu erwarten. Schwiegervater war am Fahren. Schwiegermutter rannte am hellen Tage mit einem Holzstück rund ums Haus und brachte die Eisengitter die vor den Fenstern angebracht waren zum Dröhnen um irgendwelche Geister zu vertreiben. Ich bekam einen ziemlich dicken Hals und bin raus und habe versucht ihr den Knüppel aus den Händen zu nehmen, denn der Krach im Haus war nicht auszuhalten. Ich hatte aber nicht auf meine Frau geachtet. Die war rausgekommen mit dem Besen in der Hand und hat mir den von hinten (Filipinos in jedem fight immer von hinten) mit voller Wucht über den Kopf gezogen. Ich ging benommen in die Knie. Beide prügelten weiter mit dem Besenstiel und dem Knüppel auf mich ein. Ich muss mich einige Meter vom Haus weg bis in die Mitte des Grundstückes geschleppt haben dabei. In diesem Moment kommen Freunde mit einem Pick-up und springen herunter und über die Mauer und nehmen den Weibern die Knüppel weg. Sonst würde ich wahrscheinlich diese Geschichte heute nicht aufschreiben. Davon weiss ich nicht mehr viel. Sie nehmen mich und schleppen mich zum Pick-upund bringen mich in ein kleines Krankenhaus in Minglanilla. Dort werden die Wunden versorgt und die aufgeplatzte Kopfhaut genäht. Meine Freunde bleiben bei mir und nach ein paar Stunden bringen sie mich wieder nach Hause. Ich packe einiges an Wäsche und Kleidung an und verlasse das Haus für immer. Ich werde nur noch einmal wiederkommen, die restlichen Sachen zu holen. Ich fahre mit Ihnen nach Talisay ins Beachcomber. Dort mache ich mit W. ab, dass ich auf seinem Trimaran bleiben kann so lange ich möchte. Zu dem Zeitpunkt liegt der Trimaran an der heute alten Mactan-Mandaue Brücke an der Ouano Wharf vor Anker. Nun wie ich zu dem Namen Dieter Pahak kam.

Wir hatten einen Dieter Tambok (dick), einen Dieter Opaw (sprich = opau = keine Haare/Glatze) und mich, nur Dieter. Da wo ich den Schlag mit dem Besenstiel über den Kopf bekommen hatte, und wo die Wunde genäht worden war, da wuchsen nun, auch heute noch, keine Haare mehr und das nennt man in Visayan halt Pahak. Somit war ich nun Dieter Pahak.

 

 

Die obere Brücke ist die erste Brücke von Mandaue nach Mactan. Man kann einige kleinere Boote direkt über der Brückenauffahrt erkennen. Dort haben wir vor Anker gelegen.

Ich half etwas in der Beachcomber Bar mit oder war in der nächsten Zeit auf dem Trimaran. Dort war bisher nur ein philippinischer Helfer, der mit dem Dingi oder mit einem kleinen Paddelboot, das nur an einer Seite einen Ausleger hatte, damit man einfach anlegen konnte zum Ufer kam, wenn man mit der Trillerpfeife pfiff (wenn er schlief konnte das schon mal etwas länger dauern). W. bemühte sich zu der Zeit Gäste für Ein- oder Mehrtagestouren durch verschiedene Reisebüros in Manila zu bekommen, aber Gäste gab es noch nicht. Es lagen dort noch einige andere Segelyachten vor Anker. Ein Australier, den Namen habe ich vergessen, aber der Typ war immer gut drauf. Er hatte eine verhältnismässig kleine Yacht und somit keine Bordtoilette. Jeden Morgen in der Früh sass er mit dem nackten A..sch über der Reling, und wenn er fertig war mit dem Geschäft, liess er ein kräftiges Yabayabadooooo hören und alle wussten der Morgensch..ss war geschafft. Auf der anderen Seite lag eine britische Yacht. Der Brite war zu der Zeit nicht an Bord sondern in England oder in Manila. Es waren nur zwei Filipina Mädels als caretaker an Bord. W. lud die beiden eines Nachmittags zu Cocktails auf den Trimaran zu uns ein. Wir hatten einen einigermassen lustigen Nachmittag und W. baggerte die eine an und meinte ich soll es mit der anderen versuchen. Aber danach stand mir nach den letzten Vorkommnisen noch nicht der Sinn. So muss ich das Mädel ziemlich kühl behandelt haben. Einige Tage später, wie es der Zufall so wollte, ich war mit dem Jeep vom Beachcomber zum Boot gekommen um etwas zu erledigen und Gprox (unser Bootsmann) schipperte gerade mit dem Mädel, das ich so kühl behandelt hatte, ans Ufer. Wir kamen wieder ins Gespräch und ich fragte sie, wohin sie wolle. Sie sagte, sie fahre mit dem Schiff wieder zurück nach Cagayan de Oro City, nach Hause. Sie war nur hier ihre Schwester zu besuchen. Ich bot ihr an, sie mit dem Jeep zum Schiff zu bringen. Als sie dann ausstieg brachte ich es fertig, sie zu fragen, ob sie wiederkomme. Sie meinte, wenn ich das möchte, wüde sie in ein paar Tagen wiederkommen. Ich sagte ja, komm bitte wieder. Nach einigen Tagen kam sie tatsächlich wieder zurück. Von da an blieb sie bei mir auf dem Trimaran und wir hatten viele schöne Tage und Erlebnisse.

 

 

Nach einiger Zeit wussten wir ohne zu schauen, alleine durch den Wellengang, welches der Passagierschiffe gerade ein- oder auslief. Wir hatten eine der beiden Frontkabinen für uns in Beschlag genommen und es war einfach herrlich, selbst bei heissem Wetter, durch den kühlen Luftzug der durchs Boot strömte, weil es nur durch einen Frontanker gehalten, immer im Wind lag. Es war viel Platz auf dem Trimaran, etliche Kabinen, zwei Toiletten und Duschen, eine kleine Küche mit einem riesigen Kühlraum wo einfach ein oder zwei grosse Eisblöcke hineinkamen und die hielten für viele Tage. Manchmal sind wir für Tage nicht von Bord gegangen. Wir hatten ein gutes Leben unter Deck oder oben auf dem grossen Dach des Trimarans. Für das Dingi hatten wir einen kleinen Aussenboarder. Das war ganz hilfreich wenn wir Frischwasser holen mussten für die Küche und Dusche. Dazu fuhren wir mit dem Dingi beladen mit leeren Wasserkanistern direkt bis unter die Brücke. Was man von oben nicht sieht, unter der Brücke stehen viele Hütten und dort wohnen Leute die sonst nicht wissen wohin. Dort konnten wir mit dem Dingi anlegen und dort gab es einen öffentlichen Wasserhahn. Wir fuhren paarmal mit den Kanistern bis alles wieder aufgefüllt war, aber das reichte dann wieder für lange Zeit. Einmal sind wir mit dem Dingi rüber zum Markt in Mandaue. Ich werden nie vergessen wie meine Freundin gelacht hat, als sie mein kreidebleiches Gesicht sah, als ich den losen Schlauch vom Bezintank des Outborder in der Hand halte aber der Motor immer noch läuft. Wir mussten um nach Mandaue zu kommen zwischen den vor sich hin rostenden, stillgelegten Schiffwracks umherkurven. Mit zittrigen Händen habe ich den Schlauch wieder dahin gestöpselt wo er hingehörte ohne dass der Motor ausging. Heute noch, nach all den Jahren, müssen wir manchmal darüber lachen.

 

 

Einmal waren meine Freundin und ich an einem Nachmittag bei Hochwasser alleine auf dem Boot und es zog ein schweres Unwetter auf. Oh shit! Keiner hatte sich bisher drum gekümmert, unser Ankertau hatte sich mit einem der anderen Schiffe ineinander verdreht. Der Sturm fing an zu pusten, immer stärker mit Starkregen, es war kaum etwas zu sehen. Nur Wasser rauschte vom Himmel, es blitzte und krachte. Es ging ganz gut hoch und runter. Dann wurde der Sturm so stark das wir bemerkten, dass der Trimaran auf die Kaiwand zurutschte. Aus der Regenwand kam wie ein Wilder der Australier in seinem Dingi hinter seiner abtreibenden Yacht hinterher paddelnd. Der Kanadier mit seiner Yacht krachte in unseren Trimaran. Darauf war auch nur eine kleine Filipina, Walter, der Besitzer war gerade in Kanada. Die zierliche Eva war aber nicht zu unterschätzen, die konnte mit der Yacht umgehen und auch segeln. Wir wurden immer näher auf die Kaimauer gedrückt. Ich, Dieter Pahak, der nicht schwimmen kann, vorne am Bug stehend, versucht die Ankertaue zu verkürzen, was mir auch soweit gelingt. Aber es verhindert nicht das wir bei dem Hochwasser mit einem Ausleger über die Kaimauer geraten. Als der Sturm irgendwann mal etwas nachlässt, sehen wir das wir mit dem Ausleger festhängen. Ich schicke meine Freundin los, sie soll die coastguard informieren. Die sollen kommen und uns dort runterziehen bevor das Niedrigwasser einsetzt und wir hängen dann an der Kaimauer. Nach geraumer Zeit kommt sie zurück. Die könnten nicht kommen, die haben seit dem letzten Taifun gar kein Schiff mehr. Coast Guard ohne Schiff – Only in the Philippines. Was tun? Ich sehe das die Kaimauer nicht gemauert ist, sonder nur aus lose aufgeschichteten Steinen besteht. Wir heuern einige Jungs aus der Nachbarschaft an, die anfangen die Steine unter dem Ausleger herauszuziehen und ins Wasser zu Werfen. Als der Ausleger endlich wieder im Wasser ist, ziehe ich das Boot so dicht an den Anker heran wie ich kann, so dass wir zumindest genügend Abstand von der Kaimauer haben. Dann sehen wir uns nach den anderen Yachten um. Eva, mit der Kanadischen Yacht ist an uns vorbeigeschrammt und ist etwas weiter zur Brücke hin zum stehen gekommen. Wir hängen immer noch mit den Ankern zusammen. Der Engländer, der zum Glück wieder an Bord war, ist irgendwo in der Fahrrinne unter der Brücke und kommt mit Motorkraft wieder an seinen alten Platz zurück. Am weitesten hat es den Australier abgetrieben. Der ist unter der Brücke durch und auf der anderen Seite und kommt als letzter wieder an seinen Platz zurück. Scheint ja noch mal alles gut gegangen zu sein ausser einigen kleinen Schäden.