Lebensgeschichte – 21

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

21

 

12. Teil – Weitere Bootserlebnisse und eine ungewöhnliche Reise nach Manila und Abschied von Cebu City

 

 

W. hatte den Trimaran nicht für sich zum Vergnügen gebaut. Er wollte damit Geld mit Touristen verdienen. Nur war das alles nicht so einfach. Von den lokalen und auch von den Reisebüros in Manila, da kam nicht viel. Wir hatten mal einen eintages Törn mit ein paar Arabern die extra deswegen von Manila geflogen kamen. Aber das war nur ein Trip zu einer unbewohnten Insel zwischen Cebu und Bohol. Unsere Mädels, die Schwestern, kochten Meeresfrüchte und servierten Drinks, und Dieter Pahak, ich, stand im Maschinenraum wenn er gebraucht wurde. Danach kamen wir auf die Idee, wir sollten doch mal versuchen ein paar Gäste vom Tambuli Beach Resort auf Mactan abzustauben. Also machten wir aus auf den Weg und schipperten von Talisay um Mactan herum zum Tambuli Beach Resort. Ich durfte auch mal steuern, bekam aber bald einen Anschiss wegen Pissrinnenfahrens. Als ich nach hinten blickte wusste ich auch warum.

 

 

W. versuchte am Strand Kunden aufzureissen. Tat sich aber nichts. Abends beim Bier kamen wir dann auf Idee, wir sollten Alex dazu holen, vielleicht würde das was helfen. Alex ist ein Zuhälter vom berühmt berüchtigten Junquera Bezirk und seinen Slums in downtown Cebu City, nicht allzu weit vom Osmena Blvd. Wir hatten vollstes Vertrauen zu ihm und standen absolut unter seinem Schutz.

Ich selber bin vom Flughafen, noch den Koffer in der Hand, mit W. direkt zu Alex gefahren. Ich habe dort in voller Sicherheit in der Bretterbude von Alex übernachtet. (Warnung: Das ist absolut nicht auf eigene Faust zu empfehlen!!). Alex brachte ein paar hinternwackelndeDamen des horizontalen Gewerbes mit. Die männlichen Gäste bekamen Stielaugen und das Management einen dicken Hals.

 

 

Man legte uns ans Herz weiter zu ziehen. Nun gehört ja die See bekanntlich allen und nicht dem Hotel alleine. Aber es tat sich eh nichts. Als wir dann weiter wollten und das Glück mal im Cebu Club Pacific Beach Hotel in Sogod weiter nördlich auf Cebu zu versuchen, streikte die Maschine. Nun mussten erstmal die beiden Batterien ausgebaut werden und an Land gebracht werden und weiter zur Reperatur. Wir, meine Freundin und ich holten am nächsten Tag den Jeep und die Batterien und brachten sie wieder zum Boot. Das Boot sollte entweder unter Segel oder mit Maschinenkraft nach Sogod fahren und wir sollten an Land mit dem Jeep folgen, als backup für das Boot. Wir waren natürlich mit dem Jeep schon früh im Cebu Club Pacific Beach Hotel und machten es uns gemütlich. Als sie dann aber gegen vier Uhrnachmittags immer noch nicht eingetroffen waren, machten wir uns auf die Suche. Als wir die Strasse zurück fuhren sahen wir schon ein dickes Unwetter in der Ferne. Wir sind die Strasse zurück bis nach Liloan gefahren, haben sie aber nirgendwo gesehen. Also nochmals zurück und alle paar Kilometer versucht bis ans Wasser zu kommen und fragen und fragen. Irgendwann sagte jemand, da am Strand, nicht weit weg, das könnte das Boot sein, was wir suchen. Ich weiss den kleinen Ort heute nicht mehr, aber wir kamen mit dem Jeep bis an den Strand heran. Da lag der Trimaran in schwerer Brandung. Gprox kam nach einer Weile mit dem Dingi um uns herüber zu holen. Santa Maria, das war ja wie Paternoster fahren, wenn Dingi und Boot auf gleicher Höhe waren umsteigen und sich irgendwo festhalten. Was war los? Sie waren in ein Gewitter mit schwerem Wellengang geraten und einer der Ausleger war beschädigt. Also nach Sogod, das hatte keinen Sinn mehr. Sie wollten besseres Wetter abwarten am nächsten Tag und sich zurück nach Talisay schleichen. Wir fuhren in der Nacht noch zurück nach Cebu City aber nicht ohne noch einen Plattfuss in dieser Nacht zu haben.

Ins Tourist Seaside Hotel zog ein neuer Gast ein, gross, rothaarig, er hiess Helmut und war Österreicher. Helmut liess es sich gut gehen, war auch oft in der Beachcomber Bar zu sehen. Er war schon Wochen da und es sah so aus als ob er nicht mehr nach Hause wollte. Er war tagelang nur noch auf seinem Zimmer zugedröhnt mit Gras. Mittlerweile hatten sich Zimmerschulden im Hotel und auch ein schöner Deckel im Beachcomber angesammelt. Aber er war gut im vertrösten und machte Versprechungen, er hätte noch Geld in Manila. Na ja, das konnte man glauben oder auch nicht, Sinn machte es auf jeden Fall nicht. W. sprach mit Eddie dem Hotelbesitzer. Helmut musste sein Gepäck im Hotel lassen und W. und ich sollten ihn nach Manila begleiten, wenn er sein Geld dort abholen würde und dafür sorgen, dass er wieder zurück nach Talisay findet. Mit dem Schiff, das war am preiswertesten. W. hatte ihm den Reisepass abgenommen und ihn Verwahrung genommen. In Manila angekommen, sollte er nun schnurstracks zum Geld holen gehen, aber der liebe Helmut druckste herum und wollte zur Botschaft. Uns wurde bewusst, was wir schon lange gedacht hatten; da ist kein Geld. Von nun an ging es ruckzuck.

 

 

Ein befreundeter Polizist von früher kam dazu, die Handschellen klickten und der liebe Helmut wurde nicht aufs Revier gebracht. In der Alhambra Street in Ermita gab es im 2. Stock eine geschlosse Bar, die nur einen Security Guard hatte unten an der Tür. Das ganze Gebäude war unbewohnt. In der Bar gab es den grossen Barraum und noch drei kleine Nebenräume wo es sogar noch Betten gab, Toiletten und einige kleine Nebenräume. Strom und Wasser waren auch noch angeschlossen. Im Barraum wurde Helmut mit Handschellen am Tresen angekettet und hat dann wohl für die nächsten paar Tage die schlimmsten Prügel seines Lebens bekommen. Irgendwann haben sie ihn zerschunden laufenlassen mit nichts. Sein Pass war schon beim Botschafter, so konnte er nicht sagen, der wäre ihm gestohlen worden. Wir hatten einige gute Tage in Manila, aber wir mussten zurück nach Cebu.

 

 

Ich hatte die letzten Wochen immer wieder auf meine Frau und Schwiegereltern eingeredet, dass es hier nicht mehr ginge und wir zurück nach DE müssten. Das Haus müsste verkauft werden. Sie sollten sich um einen Käufer bemühen. Eines Tages war es tatsächlich soweit. Es war an einem Freitag, kurz vor Bankschluss. Ich bekam den Betrag von dem chinesischen Ehepaar in bar bei der Bank ausgezahlt und der Attachekoffer war prall gefüllt. Gute Miene gemacht und mit Frau ins Mercedes Hotel eingecheckt. Den Koffer gut unter Verschluss gestellt und mit W. und der Gang ins Our Place, nicht weit vom Mercedes Hotel. Am nächsten Tag Geld auf das Sparbuch eingezahlt, ein Flugticket nach Manila gekauft für den nächsten Tag früh morgens, mich von W. verabschiedet aber nicht in der Beachcomber. Mit meiner Freundin abgemacht wo wir uns treffen. Sie wollte mich unbedingt zum Flughafen bringen. Sie sollte danach zurück nach Cagayan de Oro gehen und einfach warten wie es weiter ging. Ich bin früh aus dem Hotel, habe die Rechnung bezahlt, meiner Frau das Sparbuch auf ihre Kleidung gelegt und stand mal wieder mit Tränen in den Augen da. Alles schwierte im Kopf herum. Ich habe mich nicht von meinen Kindern verabschieden können. Ich sollte sie auch lange Zeit nicht sehen.

Ich wollte in Manila meinen Freund M. wieder treffen. Er wollte mir helfen in Hong Kong etwas zu machen.