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Lebensgeschichte – 28

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

28

 

Wiedermal auf Mindanao, diesmal im Norden. Da keiner wußte, dass ich komme, wurde ich auch nicht abgeholt. Die Meute der Taxifahrer tobt hinter einem Zaun und versucht auf sich aufmerksam zu machen. Ich muss aber noch auf mein Gepäck warten, dass in Karren nach einer Weile herangerollt wird. Beim Verlassen des Flughafens werden der Sticker im Ticket und die Gepäckbanderole verglichen, ob es auch mein Gepäck ist. Jetzt fing das Gezerre mit den Taxifahrern erst recht an. Ich wusste nur, dass der Flughafen 10 Kilometer ausserhalb der Stadt liegt, aber wo ich hin musste, davon hatte ich keine Ahnung. Ich schaute mir einen Taxifahrer aus.

Damals gab es in Cagayan de Oro auch noch kleine 2-Takter-Autos die als Taxi benutzt wurden. Diese Autos wurden PU’s genannt. Ich musste nun meinem Fahrer erklären, wohin ich wollte. Ich hatte keine Strasse, sondern nur den Ortsteil und den Familiennamen. Der Fahrer meinte, wir fahren erstmal in den Ortsteil und fragen dann dort nach der Familie. Der Ortsteil Cugman befindet sich vom Flughafen an dem entgegengesetzten Ende der Stadt, also im Osten. Als wir dort ankamen begann die Fragerei, aber der Fahrer hatte ziemlich schnell heraus wo die Familie wohnte.

Wir fuhren die Strasse von dem Highway in Cugman nach Malasag hoch. Nach etwa 1 Kilometer ging ein Abzweiger nach links und nach nochmaliger Bestätigung von Leuten fuhren wir diesen Weg hinein. Dort stand nach etwa 100 Metern ein alleinstehendes Haus, welches man von der Strasse nicht sehen konnte. Wir fuhren auf den Vorplatz. Am Haus war so etwas wie eine Veranda, etwa höher gelegen, dort stand mein Liebling und putzte sich draußen die Zähne. Sie schaute mit grossen Augen, wer denn da wohl so früh am Morgen mit einem Taxi kommt. Als sie mich erkennt, fällt ihr die Zahnbürste aus der Hand und das Zahnputzglas um und herunter und da ich das Seitenfenster im Taxi offen habe, höre ich auch das „YEEEEEEEEK!“ oder so ähnlich.

Sie freut sich wirklich und meine Überraschung ist gelungen.

Ich werde ins Haus gebeten und der Familie vorgestellt. Schnell stellt sich heraus, dass ich im Haus bleiben kann. Vater und Mutter müssen ihr Schlafzimmer räumen und so geht es in der Familienhackordnung weiter, bis die letzten dann auf Matten ins Wohnzimmereinquartiert werden. Vater ist auch nicht abgeneigt etwas zu trinken. Er ist begeisteter Tanduay Trinker. Wo bin ich denn hier gelandet. Es ist doch noch frühmorgens. Von Cebu her kenne ich nur Anejo, nun komme ich zum erstenmal mit Tanduay in Kontakt. Ich sage aber gleich, dass ich dazu Cola brauche. Lieblings jüngerer Bruder muss los eine „long neck“ holen, zwei Flachen Cola, Eis und Zigaretten (Da habe ich ja noch geraucht), Vater trinkt den Rum mit Wasser, aber in zwei Gläsern; zuerst den shot Rum, dann das Glas Wasser hinterher. Es dauert auch nicht lange, dann darf ich Tatay (Vater) zu ihm sagen.

In den folgenden Tagen lerne ich etwas die Nachbarschaft und Umgebung kennen. Das Haus liegt etwa einen Kilometer von der Hauptstrasse an der damals noch unbefestigten Strasse von Cugman nach Malasag. Es hat einen herrlichen Ausblick auf die Macajalar Bay (sprich Ma-ka-ha-lar-bay), die Insel Camiguin mit den meistens in den Wolken versteckten Vulkanen und die etwa 5 Kilometer vor Jasaan (sprich: Ha-sa-an) liegende Sandbank, die je nach Gehzeit mal grösser oder kleiner ist. Hier kann man sehen wie sich ein Regenschauer von der Seeseite oder von Osten anschleicht. Im Haus gibt es kein fliessendes Wasser und auch keinen elektrischen Strom. Tatay zeigt mir die Tricks, wie man mit Kerosin auf einem Teller und ein paar Streifen Textilien, die aus dem Kerosin herausragen an den Seiten eine Funzel für Licht macht. Einer der kräftigen Brüder von Liebling muss ein- oder manchmal sogar zweimal am Tag mit einer selbstgebauten Schubkarre in Kanistern Wasser holen, Dazu muss er die Strasse bergauf bis zu einem Büro vom Forstamt. Das ist ganz schön mühsam. Da hat er noch Glück, dass er mit der vollgeladenen Karre bergab fahren kann. Ich schäme mich dann schon dieses Wasser zum Duschen zu nehmen. Der Weg am Haus führt weiter, wieder nach unten, zu den Häusern von zwei Brüdern von Tatay. Die besuchen wir natürlich auch und ich werde vorgestellt. So nach und nach lerne ich den ganzen Clan kennen.

Eines Tages ist für den nächsten Tag Waschtag angesagt. Frühmorgens am nächsten Tag wird die Schubkarre mit der schmutzigen Wäsche beladen. Der Bruder muss wieder ran. Es geht den Weg am Haus hinunter, bei Lieblings Onkeln vorbei weiter zum Fluss. Etwa 1.5 bis 2 Kilometer muss er die Karre mit Wäsche schieben. Wir sind noch ziemlich früh dran und bekommen noch gute Plätze im Fluss. Was weiss ich, was ein guter Waschplatz im Fluss ist. Es werden abgestorbene Palmwedel (-blätter) gesucht und als Schattenspender aufgebaut. Ich habe meine Badehose mit und plansche faul im Wasser liegend herum während die Mädels und Frauen waschen was das Zeug hält. Die gewaschene Wäsche wird auf den paar grossen Felsbrocken zum Trocknen ausgelegt oder auch auf den trockenen Kieselsteinen im Flussbett.

Auf mal ein grosses Geschrei, die Mädels und Frauen keifen los und zeigen am Ufer auf ein Gebüsch. Ich verstehe kein Wort. Dann stürzt aus diesem Gebüsch ein kräftiger junger Bursche, in der Hand immer noch seine Männlichkeit rubbelnd und rennt davon. Ein paar Jungs rennen noch hinter ihm her und wollen ihn verprügeln.

Gegen Mittag kommt eine von Lieblings Schwestern mit dem Mittagessen. Es gibt Reis (was sonst) und Bratfisch. Gegen vier Uhr wird die Wäsche eingesammelt und der arme Kerl muss mit der Karre wieder zurück, nur diesmal muss er den Berg aber hoch. Irgendwann bleibt er zurück, weil er verpusten muss. In der Dämmerung kommen wir wieder am Haus an. Was für ein Tag für mich. Später im Bett liegend denke ich darüber nach, wieviele Wasserbüffel wohl flussaufwärts ins Wasser gekackt und gepinkelt haben, dabei schlafe ich ein.

Liebling fragt mich ob ich ihr nicht helfen könnte, einen elektrischen Anschluss fürs Haus zu bekommen. Vor ein paar Tagen haben die Arbeiter von der Elektrizitätsgesellschaft auf dem Nachbargrundstück einen Masten aufgestellt und auch Kabel verlegt. Ich denke mir, warum nicht. Ich bin hier herzlich willkommen worden und kann mich dadurch auch erkenntlich zeigen. Also machen wir das. Ein Elektriker kommt und verlegt die Kabel im Haus und irgendwann, als dann auch der Stromzähler angeschlossen ist, durfte ich offiziell den Schalter im Wohnzimmer drücken – und es wurde Licht.

Von Michael war immer noch keine Entwarnung zu hören. Also blieb ich weiter bei meinem Liebling in Mindanao.

 



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