Lebensgeschichte – 33

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

33

 

Nachdem das mit der Schneiderei auch nicht so toll geklappt hatte, wollte Liebling jetzt von Cagayan de Oro nach Zamboanga fahren und vom dortigen Barter Trade Market Sachen holen, um in Cagayan de Oro verkaufen. Ich sagte, dass ich da mit wollte.

Um 4.00 Uhr morgens sassen wir auf den Sitzen neben dem Busfahrer, im damals gerade neugebauten Busterminal von Agora. Damals waren die Busse noch umgebaute LKW’s, also zwischen Fahrer uns unserem Sitz, der ziemlich eng für zwei Personen war, lag der Motor, über den man hinwegkrabbeln mußte, wenn man nach hinten wollte.

 

 

Los ging es. Auf den Highway nach rechts heraus in Richtung Iligan, also Richtung Westen. Als der Fahrer, noch in der Stadt, erstmal auf dem Highway war, gab er Gas. Es war noch dunkel und nicht viel Verkehr und wenige Leute auf der Strasse. Manchmal flatterten Hühner vor der Windschutzscheibe, in irgendeinem Dorf haben sie uns mit Steinen beworfen (hier muss er wohl mal vor Kurzem etwas totgefahren haben), später dann noch hat er ein kleines, schwarzes Schwein überfahren, das sich vorwitzig auf die Strasse gewagt hatte, irgendwo anders, schaffte ein altes Mütterchen es gerade noch auf die andere Seite. Bis Iligan war die Strasse erstklassig. Einige Kilometer nach Iligan, wir waren bereits in Lanao de Norte, wurde der Highway schlechter und schlechter. Wo einst Brücken gestanden hatten, waren keine mehr oder zerstört von Wasser oder auch von Rebellen gesprengt. Es gab oft Militärcheckpoints und oft mussten wir anhalten und alle männlichen Fahrgäste mussten aussteigen während der Bus inspiziert wurde. Es war eine starke Militärpräsenz zu spüren. Die Soldaten fuhren auch kostenlos mit den Bussen von einem Checkpoint zu einem anderen. Es war schon ein komisches Gefühl da auf dem Sitz neben dem Fahrer zu sitzen, wie auf dem Präsentierteller. Denn wohin würden die Rebellen schon schiessen, doch auf den Fahrer.

Es wurden öfters Stops eingelegt für die Toilette und um etwas zu Essen. In der Stadt Ipil hatte Liebling eine Cousine wohnen, die betrieben dort ein Geschäft und die einzige Tankstelle.

 

 

In 1995 haben moslemische Rebellen in der Stadt sieben Banken überfallen und ausgeplündert, danach haben sie das Stadtzentrum mit der Tankstelle in Brand gesteckt und um die hundert Menschen getötet – bekannt geworden als das Massaker von Ipil. Heute ist alles wieder aufgebaut und auch die Tankstelle).

Auf der Rückfahrt wollte ich nicht mehr vorne sitzen, sondern irgendwo in der Mitte. Es waren einige Moslem Händlerfrauen mit ihren Gepäckstücken mit im Bus. Liebling hatte um es mal anzutesten nicht allzuviel eingekauft. Aber an jedem Checkpoint verlangeten die Soldaten einen Obulus von diesen Händlerinnen und auch von Liebling. Sonst würde der Bus sehr lange warten müssen, und das Gepäck würde sehr genau durchsucht werden. Natürlich macht sich das Militär mit solchen Aktionen nicht gerade beliebt. Aber nicht nur deswegen werden und wurden sie von der Bevölkerung gehasst und in einen Bus mit vielen Soldaten darin wurde gerne mal hineingeschossen. Das Militär steht auf Mindanao weder bei den Christen oder den Moselms in gutem Ansehen. Wie die sich benehmen ist es aber auch nicht verwunderlich.

In Lala in Lanao del Norte nicht mehr allzuweit von Iligan hatten wir nochmals zwei platte Reifen zur gleichen Zeit und verloren etwas zwei Stunden. Bei der Fahrt die letzen Berge hinunter versagten auch die Bremsen wegen Überhitzung. Da mussten wir dann eine Weile stehen bleiben. Die Hinfahrt hat elf Stunden gedauert und die Rückfahrt dreizehn Stunden. Ich habe dann eine Woche die gleiche Busfahrt nochmal gemacht, aber dann hat es gereicht.

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In Seoul Steve und David haben Hangover und wollen nicht fliegen, wenn ich wolle könne ich alleine fliegen. Ich entscheide mich für Osaka. Da hatten wir einmal einen lustigen Abend in einer kleinen Karaoke Bar mit zwei total betrunkenen Japanerinnen. Dort kannte ich das Park Hotel und nicht weit davon gegenüber gab es eine Bank, wo ich Goldbarren kaufen konnte. Steve gab mir genügend Geld mit und ich machte mich auf den Weg zum Flughafen.

In Osaka angekommen will ich mit dem Taxi zum Park Hotel fahren. Der Fahrer kurvt mich durch die Stadt und hält vor einem Hotel und behauptet es wäre das „Pak Hotel“. Es dauert eine Weile bis ich ihm erklären kann, dass es nicht das Park Hotel ist welches ich meine und nachdem ich nicht aussteige fährt er wohl fluchend zu einem anderen Park Hotel, dass ich dann auch als solches erkenne.

Am nächsten Tag komme ich wieder in Seoul an und checke ins Crown Hotel ein. Nach etwas Frischmachen, mache ich mich zu Fuss auf durch die Wohngassen von Itaewon zu Steve seiner Bude, wo er haust. Mein Gott, total zu liegt er im Bett und weiß nicht einmal mehr dass ich weg war. Na gut, ich suche David und dann gehen wir auch einen oder zwei Trinken. Wir hatten uns da einen Platz mit zwei hübschen Koreanerinnen ausgesucht. Die hatten sich hier eine kleine quadratische Theke gemietet. Es gab viele solcher kleinen Theken in diesem grossen Raum. Irgendwann rutschte David vom kleinen Hocker, saß auf dem Fussboden und lachte.

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02. September 1983. Morgens im Hotel, noch ein ganz normaler Tag. Steve, David und Miss Kim und ich sind morgens in meinem Zimmer. Steve verteilt die Geldbündel zum Einkauf, aber so, dass Miss Kim das nicht sehen kann. Ich gehe auf die Toilette und stecke mir 500 Dollar in die Westentasche und weitere 42,000 verteile ich auf die Schuhe in den Socken. David und ich verabschieden uns, wir wollen nach Tokio fliegen und am Abend wieder zurück sein.

Das schöne an Kimpo Airport war, das man an jedem der Check-In Schalter für alle Flüge einchecken konnte. Aber an diesem Tage herrschte eine andere Stimmung am Flughafen. Überall standen betroffene, verweinte Menschen in Gruppen zusammen. Wir erfuhren das die Russen ein koreanisches Linienflugzug abgeschossen hatten.

Wir hatten eingecheckt und unsere Bordkarten und gingen getrennt unserer Wege aus Sicherheitsgründen. Was sich auch als sinnvoll erweisen sollte. Bei der Körperkontrolle meinte der Beamte ich möchte bitte meine Schuhe ausziehen. Das hatte es noch nie gegeben, äussert ungewöhnlich und ich fragte nochmals nach was er gesagt hatte. Er bestand darauf, dass ich meine Schuhe auszog. Damit hatte sich der Abflug nach Tokio für mich erledigt.

Festnahme auf Kimpo Airport am 02. September 1983.

Der kalte Krieg war auf dem Höhepunkt und Süd-Korea ein geschlossenes Land unter Kriegsrecht, mit einer dauerhaften Bedrohung durch Nord-Korea.

Mein kleines Schicksal an diesem Tag ging dabei unter. Wer etwas mehr lesen möchte über diesen schicksalhaften Tag lesen möchte, an dem Hunderte von Menschen ihr Leben verloren hier ein LINK.

Ich lebe noch.