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Lebensgeschichte – 38

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

38

 

November – Dezember 1983 – Hausarrest, Seoul, Süd-Korea

 

 

Es war kein wirklicher Hausarrest. Wir konnten nur noch nicht das Land verlassen, weil die Pässe noch in Bearbeitung waren. Zumindest war das die offizielle Erklärung. Wir konnten uns frei bewegen und waren in keinster Weise eingeschränkt. Ob das auch den Sinn hatte, uns weiter zu beobachten und damit an eventuelle Hintermänner heranzukommen, weiß ich nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die ganzen Zeit noch Schatten hatten und auf Schritt und Tritt verfolgt wurden.

Da Steve der Anstifter war, deswegen auch die höhere Strafe. Denn unsere Geschichte vor Gericht ging so: Steve hatte einen Chinesen kennengelernt, der ihm angeboten hatte, für ihn Goldbarren nach Korea zu schmuggeln. Steve hat das aber abgelehnt und darauf hin angeboten er würde Leute besorgen, die das machen würden. Steve auf die Frage wie der Chinese denn ausgesehen hatte, hat geantwortet: Etwa 170 cm gross, schwarze Haare und Schlitzaugen. Welchen Namen er genannt hatte, weiß ich auch nicht mehr, Cheng oder Chong. David und ich hatten den Chinesen nie gesehen und konnten ihn auch nicht beschreiben. Man hatte zwar alle unsere Einreisen nachverfolgen können, aber dieStaatsanwaltschaft konnte nicht nachweisen, dass ich zum Beispiel bei allen meinen 28 Einreisen, die sie gefunden hatten, jedesmal Goldbarren mitgebracht hatte. Das einzige was sie nachweisen konnten war meine Ausreise mit einem Betrag, der die erlaubte Ausfuhr von Devisen überstieg und ich keine Genehmigung der Zentralbank dazu hatte. Bei David war es halt umgekehrt, sie konnten ihm nur die Einfuhr von zwei Kilogramm Gold nachweisen. Dann hatte man noch versucht, uns einer Verschwörung zu bezichtigen, auch dies gelang der Staatsanwaltschaft nicht. Dann versuchten sie noch, uns der unerlaubten Aufnahme einer Arbeit zu bezichtigen und Steve sollte noch, da er uns angeheuert hatte, wegen illegaler Rekrutierung belangt werden. Das wurde vom Gericht alles verworfen. Vielleicht war das auch der Sinn der Staatsanwaltschaft, damit das Gericht etwas hat, um es zu verwerfen. Die Frage bleibt, was wäre passiert, wenn wir diesen Anwalt nicht gefunden hätten?

 

 

David machte es sich tagsüber im Hotelzimmer vor dem Fernseher bequem und jeden Abend ging er aus. Ich ging tagsüber lieber spazieren, alleine schon deswegen, damit der, der mir hinterher lief, nicht nur kaffeetrinkend in der Lobby sitzen musste, sondern seine Hintern nach draußen, in die trockene, beissende Kälte eines koreanischen Winters bewegen musste. Hoffentlich hat der einige Wochen etwas zu fluchen gehabt. Mir machte der koreanische Winter richtig Freude. Das war etwas anderes, als die nasskalten Winter, wie ich sie aus dem Münsterland kenne. Ich dachte schon an die Zeit, wenn ich wieder auf den Philippinen bei Liebling sein würde. Die Zeit verging mit spazierengehen, abends in Itae-won Bier trinken und den Mädels nachsteigen oder in der Badewanne im heissen Wasser zu liegen mit einem kalten Drink und zu träumen.

James half uns, das nicht beschlagnahmte Geld zurück zu erhalten. Die Jungs in dem Office waren nicht gerade freundlich als sie uns das Geld vorzählten und wir es grinsend einsteckten. James bekam von David 500 Dollar und mich fragte er nach 300 für seine Hilfe. Ich denke, das war in Ordnung. Ich bezahlte mit dem Geld meinen Anteil beim Anwalt und hatte dann noch 1000 Dollar übrig, zudem hatten mir meine Eltern auch noch 4000 Dollar geschickt. Die Überweisung von meinem Konto in Hong Kong, die der Konsul angefordert hatte als ich noch im Knast war, habe ich zurückgehen lassen. Wenn ich es so bedenke, habe ich im Knast also 5000 Dollar verdient. Draussen wäre es mehr gewesen, aber in Ordnung. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum ich 5000 Dollar zurück bekomme. Vielleicht hatte man an die von mir beanspruchten 500 Dollar aus Versehen eine Null gemacht. Ich weiss es nicht. Aber warum hat David dann 15,000 Dollar zurückbekommen?

 

 

David und ich machten Pläne, was wir machen würden, wenn wir endlich nach Hong Kong ausfliegen konnten. Ich kaufte in einem Geschäft in der Lotte Mall für Liebling ein weisses Angora Kostüm, eine Aalleder-Handtasche und Gürtel. Dazu noch einen blauen und einen weissen Anorak, auf der Rückseite mit riesiger koreanischer Drachen– und Schriftbestickung. Im Hinterkopf hatte es sich schon festgesetzt, dass ich mit Liebling nach Deutschland wollte um sie meinen Eltern vorzustellen und da wollte man dann bei den alten Kumpeln doch Eindruck machen.

 

 

Wir bekamen unsere Reisepässe wieder. Wir kauften One-way Flugtickets mit Thai von Seoul nach Hong Kong. Wir sagten James good-bye und hatten an dem Abend vor unserem Abflug noch ein gutes Essen zusammen. David der verrückte Hund wollte einfach nicht auf mich hören und bestand darauf sein Geld nicht nach Hong Kong zu überweisen sondern persönlich bei sich zu tragen. Ich war ja nun ein gebranntes Kind damit und sah uns schon wieder zurück im Sondaemun Gefängnis. Morgens kam ein Beamter vom Immigration Office um uns zum Flughafen zu bringen. Mein Gott, der dachte sich wohl wir wollten das Land nie mehr verlassen. Ich wurde an seine linke Hand und David an seine rechte Hand mit Handschellen gefesselt. Haha so stiegen wir dann in ein Taxi hinten ein und fuhren zu einem Seitengang vom Flughafen. Der Immigration Officer schlief mit nach hinten gelegten Kopf zwischen uns ein und fing an zu schnarchen. Wir dachten, dass kann doch nicht war sein, kneif mich mal. Ich hatte immer noch ein mulmiges Gefühl wegen David seinem Bargeld. Unser Flug war schon aufgerufen und alle Fluggäste waren schon in der Maschine, bloss wir noch nicht. Wir wurden ohne Probleme durch die Passabfertigung geschleust, die Passe gestempelt und wir wurden mit Handschellen ins Flugzeug bis an unsere Plätze gebracht. Dort wurden die Handschellen abgenommen und der Trollo sonnte sich ncoh einmal in der ganzen Aufmerksamkeit die ihm und uns von den restlichen Passagieren zuteil wurde. Dann ging er ohne sich umzudrehen, denn sonst hätte er noch zwei Stinkefinger zu sehen bekommen.

Es war ein ruhiger Flug, gutes Essen mit einem Cognac zum Abschluss und der Erwartung in Kürze wieder in Hong Kong zu sein und FREI. Dabei fiel mir ein Spruch ein, den sich mein Freund M. damals in Cebu City auf ein T-shirt hatte drucken lassen: It is great to be high on Thai.

 



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