Lebensgeschichte – 39

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

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Dezember 1983 – Hong Kong, Philippinen – Teil I

 

Wir kamen glücklich, etwas angetrunken in Hong Kong auf dem Chang Kai Check Airport an. Bei der Einreise gab es keine Probleme und David und ich waren erleichtert endlich wieder in Hong Kong zu sein. Wir nahmen ein Taxi nach Kowloon ins wohlbekannte Ritz Hotel. Es hatte sich in unserer etwa viermonatigen Abwesenheit nichts geändert, das Personal war immer noch so unwirsch und mürrisch wie vorher. Wir hatten noch beide Gepäck im Ritz deponiert bevor wir nach Korea geflogen waren. In einer kleinen Kammer waren unter anderem auch unsere Gepäckstücke noch da.

Wir beschlossen Weihnachten und Neujahr auf den Philippinen in Cagayan de Oro zu verbringen. David wollte mit mir nach Mindanao herunter kommen. Wir kümmerten uns umTickets und dann hatten wir noch ein paar Tage einige Weihnachtsgeschenke einzukaufen und was man halt sonst noch so brauchte. Dann ging es los – Philippines here we come again.

Ich glaube wir waren noch ein oder zwei Tage in Manila und besorgten uns Flugtickets nach Cagayan de Oro City. Ich habe dann an Liebling telegrafiert, haha, es gab noch keine cellphones. Aber in allen grösseren Orten gab es an jeder Ecke kleine Kisoske in denen man ein Telegramm aufgeben konnte. Ich kann mich erinnern, selbst in kleinen Orten gab es zumindest eine Telegrafenstation, bei manchen wurde wirklich noch gemorst, wie ich in einem kleinen Ort auf Cebu selber erleben durfte.

 

 

Wir wurden von Liebling am Flughafen in Cagayan de Oro City abgeholt und fuhren erstmal über den Markt um Grillfleisch für die Willkommensparty einzukaufen. Bevor wir zu Lieblings Elternhaus fuhren mussten wir für David erstmal eine Unterkunft finden. Die alte Burg hatten wir leider nicht mehr. Wir quartierten David unten an der Hauptstrasse im Ortsteil Cugman im Cha – Li Beach Resort ein. Von dort war es nur etwa einen Kilometer bergauf zu uns. An unserem Lieblingsstore wurden einige Kisten Bier, ein paar Flaschen Rhum, Cola und Eis eingekauft. Jemand wurde zu meinem Freund Albert geschickt um ihn zu holen. Dann wurde wiedersehen gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Am nächsten Tag war ausschlafen angesagt. Die Mädels der Nachbarschaft hatten ganz schnell spitz gekriegt, dass David solo unterwegs war und scharwänzelten die nächste Tage um ihn herum. Weihnachten verbrachten wir im Haus von Lieblings Eltern, dass für die nächste Zeit auch mein Domizil werden sollte.

 

 

Zwischen Weihnachten und Neujahr wollten wir für ein paar Tage nach Camiguin. Am frühen Morgen fuhren David, Liebling und ich zum Busbahnhof zum Agora Market in der Stadt. Hier nahmen wir einen Bus nach Balingoan. Von hier fahren Boote hinüber nach Camiguin. Die Busfahrt führte mehr oder weniger immer an der Küste entlang. Angekommen in Balingoan hatten wir noch Zeit bis das nächste Boot fuhr. Im Ort selbst gab es nichts zu sehen. Am Kai waren einige kleine Bretterbuden Restaurants auf Stelzen übers Wasser gebaut. Hier gab es einfache Gerichte und kaltes Bier. Also bestellten wir Bier und freuten uns auf Camiguin. Nach einigen Bier mussten wir mal auf die Toilette. Die Toilette war der absolute Hammer. Der gesamte Fussboden des Hauses bestand aus dicken Holzbohlen. Neben der Küche war eine Tür, die auf die Toilette führen sollte. Man kam auf eine überdachte Plattform, dort grunzten ein paar Schweine. Zwei Plumpsklosetts gab es auch, man schaute direkt auf die Wellen unter dem Gebäude. Etwas weiter entfernt plantschen Kinder vergnügt im Wasser.

Das Boot kam von Camiguin und wir gingen an Bord. David bekam wieder einen seiner Lachanfälle weil die Decke so niedrig war, dass selbst ich mit meinen 169 cm Körperlange nicht aufrecht stehen konnte. Also sitzen bleiben. Es kamen immer mehr Leute an Bord und nicht nur Touristen sondern auch Einheimische die vom Festland wieder zürück nach Hause fuhren. Manche hatten Kampfähne in Kartons dabei, einer führte eine Ziege an einem Seil, wieder ein anderer hatte einen Karton mit Tagesküken dabei. Überall im Gang lagen Gepäckstücke, Rucksäcke und Kisten. Dazwischen versuchten junge und alte Frauen mit allem Möglichen durchzukommen und etwas zu verkaufen. Im Angebot waren kalte Getränke,diese waren in dünne Plastikschläuche abgefüllt. Es gab Süssigkeiten, Kekse und hartgekochte Hühnereier. Nachdem wir mehrfach nach Bier gefragt hatten, kam dann auch jemand mit einigen gekühlten Dosen Bier. David und ich sagten danke. Die Verkäuferinnen blieben auch auf dem Schiff als es ablegte und losfuhr. Nach etwa einer Stunde kamen wir am Anleger von Benoni an. Dort hatte ich im Jens Peters gelesen, dass es dort in einer Lagune ein kleines Resort geben sollte, in dem man in kleinen Hütten über dem Wasser übernachten konnte. Wir gingen den Weg dorthin zu Fuss. Man bereitete uns ein schmackhaftes Fischgericht zum Abendessen zu und nach einigen Bierchen schliefen wir überm Wasser wie die Babies. Das war das heutige J & A Resort.

Am nächsten Tag gegen Mittag machten wir uns auf den Weg nach Mambajao. Wir bezogen kleine Zimmer in einem kleinen Hotel mit Restaurant direkt am Markt. Das Restaurant war trostlos, aber der Markt war noch trostloser. Es gab tatsächlich nichts anderes zu essen als einige gegrillte Fischspiesse. Wir hatten keine Ahnung das es fette Makrelen Stücke waren. Am nächsten Morgen revolutionierte der Magen, nach dem Toilettengang schwammen dicke Fettaugen auf dem Wasser. David beschwerte sich über etliche Stiche auf dem Körper und war der Meinung da sei was in seinem Bett. Also nichts wie weg dort. Wir zogen um zu Tia’s an der Hauptstrasse. Das war ein schönes altes gepflegtes Haus. Sehr schön dekoriert mit alten bemalten Blumentöpfen und anderen Antiquitäten. Die Zimmer waren hoch und hell und keine Stechinsekten in den Betten. Tia fragte morgens ob und wann sie für uns kochen soll und besorgte dann die Sachen dazu. Leider ist es heute mittlerweile eine heruntergekommene Bruchbude.

Am ersten Tag bei Tia machten wir uns auf den Weg zur PHILVOC, der Vulkanstation. Die Leute dort waren nett und erklärten uns den Seismographen und zeigten uns auch einige frühere stärkere Erschütterungen und Bilder von dem schwerem Ausbruch 1951. Danach marschierten wir noch zu den Katibawasan Falls (Bild 1). Liebling wollte unbedingt baden und sprang ins Wasser. Das Wasser war sehr kalt für sie. Sie war ungefähr in der Mitte des kleinen Pools als sie einen Schrei ausstiess und was von Riesenfisch schrie und dann so schnell wurde aus dem Wasser herauszukommen, dass selbst Jesus neidisch geworden wäre, als sie fast auf dem Wasser laufend aus dem Pool herausgeschossen kam. Abends sassen wir beim Bier gegenüber von Tia’s und lachten nochmals über die Aktion von Liebling. Trotzdem blieb ein mulmiges Gefühl, denn Camiguin ist eine Vulkaninsel mit sieben Vulkanen. Am nächsten Tag wollten wir zu den Ardent Hot Springs.

Tia hatte uns Fresspakete mitgegeben und wir zogen früh los. Auf dem Weg an der Hauptstrasse kamen wir an einem Geröllfeld vom letzten Ausbruch des Hibok-Hibok vorbei. Dort lagen Felsbrocken verstreut so gross wie die Hütten und Häuser der Leute hier. Etwas weiter ging ein Weg von der Hauptstrasse ab und wir kamen an einer Schule vorbei. Die Kinder riefen freundlich „Hi Friend“. Es wurde immer menschenleerer, aber wir folgten dem Weg und wenn uns mal jemand begenete liessen wir uns bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Nach einigen Kilometern fanden wir die Ardent Hot Springs und bezahlten unseren Eintritt. Heute gibt es dort ein Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten. Es gab mehrere Becken mit verschiedenen Temperaturen. Das Wasser war so heiss, dass über den Becken Wasserdampf aufstieg. Am heissesten war es an der Stelle wo das Wasser direkt aus dem Fels trat, es war gerade an der Grenze des Erträglichen. Jemand kam um zu fragen ob wir Bier haben wollten. Oh Mann, das hätte ja das Paradies sein können, im heissen Wasser plantschen und eiskaltes Bier wird auch noch gebracht. Heute ist es leider verboten in den Becken zu trinken, da hat man wohl einige Male übertrieben. Wir verbrachten den ganzen Tag dort, bloss danach waren wir einfach zu faul um den ganzen Weg bis nach Mambajao zurück zu laufen. Glücklicherweise kam irgendwann am Nachmittag eine Motorela und wir konnten den Weg zurück fahren. Da es den ganzen Tag, ausser dem Fresspaket nichts zu essen gegeben hatte, hatten wir abends mit noch anderen Gästen bei Tias ein leckeres Abendessen von Tia zubereitet bekommen.

Wieder ging ein schöner Tag zu Ende.