Herzlich Willkommen bei Philippinen Reisen   Click to listen highlighted text! Herzlich Willkommen bei Philippinen Reisen

Lebensgeschichte – 43

 



 

 

SUROY-SUROY’S GESCHICHTE VON 1976 BIS 2009

43

 

1984 – Philippines – Deutschland – Philippines – – Manila – Münsterland – Cagayan de Oro City

Auf gleichem Weg wieder zurück nach Manila. Am nächsten Tag gingen wir zum Reisebüro um nach zu schauen wie weit der Reisepass von Liebling gediegen war. Ich hatte ein flaues Gefühl im Magen und dachte, dass schöne Geld dafür ist weg. Zu meinem grossen Erstaunen wurden wir erwartet und Liebling bekam ihren ersten nagelneuen Reisepass vorgelegt. Ihr und mein Grinsen ging über alle vier Backen. Wir haben dann auch gleich einen Flug in diesem Reisebüro gebucht. Die Idee von mir war Liebling um diese Jahreszeit nach Deutschland zu bringen, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommt, dort bleiben zu wollen.

Es war Anfang Februar.

Die Fluggesellschaft weiss ich nicht mehr. Ich glaube wir flogen mit PAL. Damals die normale Route von Manila mit Zwischenlandungen und Aufenthalt von 1 bis 2 Stunden in Bangkok und Karachi, bis wir in Frankfurt angekommen waren. Liebling war schon vorher geflogen mit kleineren Maschinen, auch bevor sie mich kennen lernte. Mit Propellermaschine von Cagayan de Oro nach Cotabato mit ihrem Boss um einem reichen Moslem eine grosse Lebensversicherung aufzuschwatzen. Dann noch ein paarmal Cagayan de Oro und Manila oder Cebu hin und zurück. Aber dies war ihr erster Flug in einem Grossraumflugzeug. Damals benötigte Liebling noch kein Visum und es gab keine Probleme bei der Einreise. Das waren noch die guten alten Zeiten.

Wir kauften eine Bahnfahrkarte nach Münster. Das war ihre erste Bahnreise und es gab auch viel zu sehen. Von Mainz bis Koblenz ging es am Rhein entlang. Nur das Wetter war so wie ich es mir vorgestellt hatte. Grau in Grau. Sie fragte, ob das in Deutschland immer so grau und kalt ist . In Dortmund mussten wir umsteigen. Das war mein erster Flug mit viel Gepäck! Wir waren im Zug nach Münster und standen noch mit den Gepäckstücken an der bereits geschlossenen Tür. Der Schaffner hatte schon zur Abfahrt gepfiffen als Liebling ohne etwas zu sagen mit dem Finger nach draussen zeigte. Dort auf dem Bahnsteig, einsam und verlassen, ganz in weinrot, stand ihr Schminkköfferchen. Ich auf irgendeinen Knopf geschlagen der die Tür wieder öffnete und nach draussen, den Schminkkoffer geschnappt und sehe einen Wagen weiter dem Schaffner in die Augen. Die Augen wurden immer grösser, der Zug setzt sich langsam in Bewegung, Liebling steht mit offenem Mund an der Tür, ich springe aufs Trittbrett und bin wieder drin. Das war ja nochmal gutgegangen.

Damals wusste ich noch nicht und hätte es mir auch nicht träumen lassen, was da noch alles für Sachen in den nächsten Jahren auf mich zukommen sollten.

In Münster angekommen leistete ich mir mit dem Gepäck den Luxus die 18 Kilometer zum Heimatort mit dem Taxi zu fahren. Meine Eltern schlossen uns in die Arme. Der Plan war zwei Monate zu bleiben. Nach einigen Tagen hatte Liebling aber schon die Lust verloren. Immer im Haus zu sitzen, weil es draussen kalt und nass war, war nicht ihr Ding. Keine leute auf den Strassen und in den Gärten. Zum Glück kam Karneval. Wir feierten noch Karneval in meiner ehemaligen Stammkneipe mit alten Freunden und Bekannten, in „Karin’s Kneipe“, die es auch heute noch gibt. Vor vielen Jahren war das mal das Dorfgefängnis, danach das Feuerwehrhaus.

Das war eine wilde Feier in der kleinen Kneipe und Liebling war das Exotischte was das Kaff seit langem gesehen hatte. Ich schlief irgendwann ein und Liebling konnte nicht mehr laufen. Die krägtige Aushilfe brachte Liebling über die Schulter geworfen nach Hause und die Treppe hoch zu unserem Zimmer und ich hangelte mich am Geländer hinterher. Der Brummschädel am nächsten Tag war gewiss.

Nach etwa drei Wochen wurde der Rückflug gebucht. Ich wollte nun auf den Philippinen in Cagayan de Oro City bleiben und in dem Land wo man wohnen möchte, sollte man keine krummen Sachen drehen. Also fingen wir an Pläne zu schmieden was wir dort machen könnten. Aber erstmal wieder zurück.

„Ladies and Gentleman, please fasten your seatbelts, we are on the final approch for landing at Lumbia Airport Cagayan de Oro City. Cabin crew stations please.“ Der Landeanflug ist von der See her.

WELCOME TO CAGAYAN DE ORO CITY – CITY OF GOLDEN FRIENDSHIP

Im Haus gab es drei Schlafzimmer. Wir bekamen wieder das grösste. Wir hatten uns entschlossen Hühner zu mästen. Tatay (ihr Vater, mein Schwiegervater auch wenn nicht verheiratet) wusste alles, sagte er. Ich liess mir von Tatay erklären wie in „boardfeet“ gerechnet wird, damit ich losgehen konnte um Holz zu besorgen. Die Brüder zogen los grossen alten Bambus zu schlagen. Wir wollten das Holz bei der befreundeten chinesischen Familie Maura, die ein Baugeschäft in der Stadt hatten, holen. Liebling immer dabei. Grosses Hallo beim Eintritt in den Laden und grosses breites Chinagrinsen. Ich fragte den Besitzer was ein boardfeet koste und der Preis war gut. Also sagte ich ihm was ich brauche und noch einiges an Drahtgeflächt für die Böden und verschiedene Grössen Nägel. Alles wurde auf den Firmenlastwagen geladen und nun sollte ich noch die Rechnung bezahlen. Tatay hatte mir ja erklärt wie ich boardfeet zu berechnen hatte, also rechnete ich die Rechnung nach. Das einzige was stimmte, war der von dem Besitzer genannte Preis für ein boardfeet. Aber er hatte irgendwie die Kalkulation so gemacht, dass viel zu viel für ihn dabei herauskam. Ich sagte ihm meine Summe für das Holz und er guckte dumm. Dann gab er mir einen neuen Preis, der aber wieder nicht stimmte. Liebling trampelte schon auf ihren Füsschen herum und es wurde ihr peinlich.

(Der ordinäre Filipino lässt sich lieber bescheissen als den Lauten zu machen, vielleicht will er auch nicht zugeben, dass er nicht rechnen und schreiben kann. Aber durch diese Einstellung sind viele Chinesen reich geworden auf den Philippinen, nicht nur durch Fleiss und Arbeit, sondern durch Beschiss.)

Nachdem der Gute das Spielchen mit mir zweimal gemacht hatte, war es genug für mich. Ich gab ihm zu verstehen ich könne die boardfeet ausrechnen und mit seinem genannten Preis multiplizieren und hier ist die Summe, wenn er diesen Betrag nicht akzeptieren will, dann könne er alles vom Lastwagen wieder abladen und es gäbe ja noch andere Baugeschäfte in der Stadt. Er stimmte dann dem Preis zu, ich bezahlte, aber immer den Lastwagen im Auge, damit nicht wieder einer etwas ablädt. Verdammte Schlitzaugen äh Schlitzohren. Das breite Chinagrinsen war aus seinem Gesicht verschwunden. Wir sind gleich mit dem Lastwagen mitgefahren, damit der nicht noch irgendwo anhält und etwas verliert.

Als wir dann wieder zuhause waren und ich die Geschichte Tatay bei einer Flasche Tanduay erzählte war grosses Gelächter.

 



 

Hier ist nichts zu kopieren!
Click to listen highlighted text!